Zeitung Heute : Retter in der Not

Die Ausbildung für Katastrophenhelfer soll professionalisiert werden – auch erste Weiterbildungsstudiengänge werden angeboten

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Katastrophenhilfe galt bislang als Erfahrungssache. Entsprechende Experten von Hilfsorganisationen, Behörden, Feuerwehren und anderen Institutionen stammen aus den unterschiedlichsten Berufen: Ingenieure und Betriebswirtschaftler etwa oder Juristen und Sozialwissenschaftler. Ihre Kenntnisse haben sie meist in der Praxis oder durch Weiterbildung gewonnen. Doch nun soll die Ausbildung der Katastrophenmanager professionalisiert werden – erste Studiengänge werden angeboten.

Katastrophenhilfe ist ein weites Feld: Sie reicht von der unmittelbaren Überlebenshilfe nach einer Katastrophe bis hin zum Wiederaufbau. „Die reine Praktiker-Karriere wird es für junge Menschen in Zukunft nicht mehr wie bisher geben“, sagt Winfried Glass, Sprecher des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge (DKKV) in Bonn. „Denn die Komplexität der Ereignisse nimmt zu“.

Zum Beispiel könne bei der Bekämpfung eines Brandes allein deshalb erheblicher Schaden entstehen, weil ein falsches Löschmittel verwendet wird. Erforderlich seien in einem solchen Fall auch umfassende Kenntnisse im Umgang mit Gefahrstoffen. Solche Kenntnisse will beispielsweise die Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg in Kooperation mit der Hochschule Magdeburg-Stendal vermitteln. Dort kann der Bachelor- und Masterstudiengang „Sicherheit und Gefahrenabwehr“ absolviert werden. Absolventen können zum Beispiel in Fachbehörden des Brand-, Katastrophen- und Umweltschutzes, im Sicherheitsmanagement von Unternehmen, als Sachverständige, bei der Feuerwehr oder in Ingenieurbüros arbeiten.

Auf das Rettungswesen ist der Bachelor-Studiengang „Rescue Engineering“ an der Fachhochschule Köln ausgerichtet. In diesem Bereich gab es bislang als formal geregelte Qualifikation nur die zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten. Die Ansprüche an die Inhalte und ihren Umfang seien gestiegen, so Alex Lechleuthner, Leiter des Instituts für Notfallmedizin der Berufsfeuerwehr Köln und Mitinitiator des Studiengangs. Das Spektrum des vermittelten Wissens reicht von der Gerätebeschaffung über die Einsatzplanung bis hin zum Erstellen von Sondernotfallplänen.

Ein geplanter Weiterbildungsstudiengang an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn steht unter dem Zeichen der Katastrophenvorsorge. „Die Absolventen sollen daran arbeiten, die Folgen eines Naturereignisses so gering wie möglich zu halten“, erklärt Koordinator Holger Voß vom Geographischen Institut der Universität. Konzipiert als Fernstudium mit Präsenzveranstaltungen soll der Studiengang „Katastrophenmanagement“ im Herbst 2006 starten. Die angehenden Experten werden befähigt, beispielsweise Evakuierungspläne zu entwickeln, Überschwemmungspläne auszuweisen oder kritische Infrastrukturpunkte zu ermitteln. dpa

Mehr Infos: Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge, Tel. 0228/243 48 28, im Internet unter www.dkkv.org

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