Zeitung Heute : Ringelreigen

FRANK NOACK

Die spanische Schnitzler-Variation "Carícies"VON FRANK NOACKNicht als erster hat sich der spanische Regisseur Ventura Pons von Schnitzlers "Reigen" inspirieren lassen.In der episodenhaften Erzählweise von "Caricies" ist es der Ton, der die Musik macht und die Form, die den wenig originellen Inhalt bereichert.Ein Ehemann streitet mit seiner Frau, die anschließend ihre Mutter aufsucht, die wiederum Freundschaft mit einer alten Lesbe schließt, die ihren obdachlosen Bruder...Das alles spielt in Barcelona bei Nacht.Was diese Variante von früheren "Reigen"-Adaptionen unterscheidet, ist die unberechenbare Stimmung: Pons setzt sein Publikum einer heiß-kalten Dusche aus, kontrastiert die Aggressivität seiner Figuren mit gelb- bis orangestichigen Bildern.Der Ehekrach am Anfang amüsiert zunächst; schnell vergeht einem das Lachen, wenn der Mann seine Frau ins Gesicht schlägt, doch wie sie darauf reagiert, läßt die Stimmung wieder steigen.Mut zeigt der Film bei seinen sexuellen Darstellungen.Die Darsteller kochen vor Energie, einige kennt man aus Filmen von Pedro Almodóvar.Die vom Titel versprochenen Zärtlichkeiten spielen zwar eine untergeordnete Rolle, doch das Temperament aller Beteiligten hat eine aufbauende Wirkung.Und: "Caricies" ist ein Muß für Nachtschwärmer.Wer nachts ruhelos durch die Stadt irrt, wird sich hier wiedererkennen. Heute 21.15 Uhr (Royal), morgen 15.30 Uhr (Atelier), Samstag 14 Uhr (International)

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