Zeitung Heute : Risiko mit Sicherung

Mehrwertpotenziale entstehen in der Kombination aus Zertifikaten und Fonds

Udo Rettberg

Derivate wandeln sich in Deutschland mehr und mehr von den als riskant geltenden Hebel- zu Anlageprodukten. Sie konkurrieren daher zunehmend mit einer seit Jahren bewährten Anlageform – nämlich mit Investmentfonds. Vor diesem Hintergrund kommt immer stärker die Frage auf: Sind Zertifikate oder Fonds die bessere Anlageform? Beide Formen der Geldanlage haben nach Einschätzung von Joachim Willnow von Nomura International ihre Vorteile. Man müsse sie nur „intelligent kombinieren“, um den maximalen Nutzen zu erzielen.

So sind vor allem zwei Kombinationen denkbar: Die erste Möglichkeit für Emittenten ist darin zu sehen, so genannte Fonds-Derivate – Zertifikate mit Fonds als Basiswert – zu emittieren. Ein solcher Trend zeichnet sich nach Meinung von Willnow schon länger ab. Heute bieten immer mehr Emittenten als Zertifikate verbriefte Fonds an. Begründet wird dies damit, dass ein passives Investment über einen Index in bestimmten Fällen unter Renditegesichtspunkten nicht optimal ist. So etwa dann, wenn in noch unausgereifte, weniger effiziente Kapitalmärkte investiert werden soll. In solchen Märkten können gute Fondsmanager durch Stockpicking (die Auswahl von Aktien also) den Anlegern unter Umständen einen echten Mehrwert bieten. Das gilt zum Beispiel bei Investments in Emerging Markets wie Indien, China oder Russland.

Derart renditestarke Basiswerte lassen sich für den Anleger als Zertifikat verpackt sehr attraktiv gestalten. Das Auszahlungsprofil des Wertpapiers kann durch derivative Strukturen individuell an das den Wünschen des Anlegers entsprechende Chance-Risiko-Profil angepasst werden. Das eingesetzte Kapital kann durch eine komplette Kapitalgarantie geschützt werden. Zudem können angefallene Gewinne stufenweise oder bei einem Höchststand für den Investor „eingefroren“ werden. Solche Strukturen sind für Anleger interessant, die mit abgesicherten Erträgen kalkulieren wollen.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, derivative Strukturen als Fonds zu verpacken. Diese Variante greift ein zentrales Argument aus der Diskussion um Zertifikate und Fonds auf: Fonds werden als Sondervermögen geführt. Im Unterschied zu Zertifikaten, die den Charakter einer Inhaberschuldverschreibung haben, ist der Anleger mit Fonds auch bei Zahlungsunfähigkeit der emittierenden Bank abgesichert. Fonds zahlen dafür allerdings den Preis eines weitaus aufwändigeren Genehmigungsverfahrens und bilden zudem neue Trends an den Finanzmärkten nur mit Verzögerung ab.

Die Kombination beider Assetklassen macht indes durchaus Sinn. Auch Zertifikate-Emittenten müssen über eine Fondsexpertise verfügen. Das gilt für die Auswahl der Fondsmanager genauso wie für den rechtlichen Rahmen zum Vertrieb der Produkte. Zudem kann nicht jeder Emittent Fonds auf sein eigenes Handelsbuch nehmen. Dies ist aber notwendig, um Zertifikate auch auf diejenigen Fonds abbilden zu können, die sich nicht über einen Index absichern lassen. Ansonsten würden die Vorteile der neuen Anlageform nicht ausgeschöpft – das Anlage-Universum bliebe drastisch eingeschränkt. Die Konvergenz von Zertifikaten und Fonds zeigt, dass die Investmentbranche reifer wird. Im Derivatemarkt habe sich das Angebot der Basiswerte über drei Generationen hinweg sukzessive erweitert, gibt Willnow seine Beobachtungen preis.

Anleger profitierten sowohl von der Innovationskraft und Schnelligkeit im Aktienhandel als auch von der nachhaltigen Kundenbetreuung in der Vermögensverwaltung. Die Antwort auf die Frage „Zertifikate oder Investmentfonds?“ müsse somit lauten „Zertifikate und Investmentfonds!“

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