Zeitung Heute : Roberta und der Kellner

CHRISTOPH FUNKE

Komödie am Kurfürstendamm: "Hände weg von meiner Frau!"CHRISTOPH FUNKERoberta geht.Einfach so.Und läßt den Gatten, einen wenig erleuchteten Beleuchtungs-Manager, schnöde allein.Im fürstlich gerichteten ehelichen Schlafzimmer.Um wenig später im spartanisch bestückten nichtehelichen Wohnraum des neunzehn Jahre jüngeren Kellners Jimmy Skouras wieder aufzutauchen - munter, glücklich, befreit und schwanger.So, nicht wahr, fängt man eine Komödie an, die dem Leben "abgelauscht" ist.Dachten zumindest Sam Bobrick (stammt aus Chicago/Illinois) und Ron Clarke (geboren in Montreal), als sie Robertas spektakulären Ehebruch unter dem krachledernen Titel (oder fiel der dem Übersetzer ein?) "Hände weg von meiner Frau!" aufschrieben.Über die Folgen von Robertas schwerwiegendem, ins Tragische greifendem Satz "Ich verlasse dich" mag hier der Mantel gnädigen Schweigens gebreitet werden.Aber so viel muß doch heraus: Die schrille Aufforderung des "Hände weg", mit einem Ausrufezeichen befeuert, bleibt folgenlos.Oder: Was des Kellners ist, bleibt des Kellners.Wo kämen wir sonst hin. Wolfgang Spier hat in der Komödie am Kurfürstendamm wieder einmal fast alles selber gemacht.Er übersetzte das Stücklein, führte Regie und spielt auch noch mit.Möglicherweise überzeugte ihn, daß die Schreibfirma Bobrick/Clarke im Zuge artigster Korrektheit den Ehebruch nun dem Weibe zuschlägt und im Gegenzug dem Mann zwar gigantische Dämlichkeit, aber auch absolute Treue bescheinigt.So viel lustiger allerdings ist die feminine Variante des Fremdgehens auch wieder nicht, und die wie vom deus ex machina herbeigezauberten Babys bleiben den Frauen sowieso.Auch Komödienautoren können daran nichts ändern. Tapfer versucht Spier, die Geschichte hochzupumpen.Besonders Volker Brandt als Leuchten-Ehemann muß sich so sehr in zornige, selbstgerechte Erregung steigern, daß man diesen siedenden Charakter gerne vom Feuer nehmen möchte.Robert Hummel als Kellner darf angenehm Jugendliches dagegensetzen, ein freies Betragen mit sicher wirkendem Charme.Chariklia Baxevanos präsentiert die Roberta freundlich, überlegen, lebensklug.Andere Möglichkeiten mehr oder weniger sittsamen weiblichen Verhaltens zeigen, mit angemessenem Temperament, Monika Tabsch und Eva Blum - Freundin und Tochter der ehemüd ausbrechenden Heldin.Wolfgang Spier schließlich spielt einen der netten, gewieften Tunichtgute, die er so mag, einen Kompagnon, den Alter nicht vor Torheit und Abenteuerlust schützt.Und führt sein Ensemble auf der von Hannelore Hirthe-Kuschnitzky üppig ausgestatteten Bühne munter auf den erhellenden Schluß zu, die Erkenntnis des scheinbar gebesserten Ehemannes: "Wenn es aus ist, ist es aus!" Aus ist es um 22 Uhr 20.Unwiderruflich. Aufführungen täglich 20 Uhr, heute (21.) und am 28.September 18 Uhr.

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