Zeitung Heute : Rock-Circus - der Hit für Kids

SUSE WEIDENBACH

London mit Kindern / Die britische Metropole bietet auch kleinen Touristen eine Menge AbwechslungVON SUSE WEIDENBACH

Geschichte und Kultur in Häppchen, ein bißchen Shopping, bummeln auf Flohmärkten und Ausflüge mit Boot und Bahn: London eignet sich auch für einen Besuch mit Kindern.Ein Streifzug durch die britische Metropole. Der Hit ist der Rock-Circus.Zu finden am Picadilly, an der Ecke, um die sich die Schlange windet.Junge Leute stehen an, aber auch Familien mit Kindern.Denn Madame Tussauds Dependance für die Jugend ist gefragt, und eingelassen wird immer in Schüben. Die Rock- und Popstars sind hier zwar in Wachs gegossen, doch äußerst lebendig, denn der Besucher des "Kabinetts" ist mit Kopfhörern versehen und kann mittels einer raffinierten Technik die Originalmusik des Stars hören, vor dem er gerade steht.Von Buddy Holly über Chuck Berry bis Michael Jackson und Bon Jovi.Zum Programm gehört auch eine Show mit Drehbühne, wo beispielsweise eine die Glieder bewegende Janis Joplin unterhält und natürlich Londons berühmtester Export: die Beatles.Das lebendige Popmuseum ist für Kinder ab neun ein Riesenspaß. Gleich beim Ausgang, der in eine moderne Einkaufsgalerie mündet, warten die nächsten London-Attraktionen für Kids: Läden mit "Doc-Martens-Schuhen", T-Shirts mit superfrechen Sprüchen, Silberschmuck und schließlich unten im Erdgeschoß ein "Body Shop" in Großausgabe.Läden dieser britischen Kette haben im Ursprungsland den Vorzug, daß die Kosmetikartikel um einiges billiger sind als in Deutschland - taschengeldfreundlicher. Dann ein bißchen Kultur.Im Tower zum Beispiel erfährt der Nachwuchs britische Geschichte auf blutrünstige Art.Schon der Beefeater (ein vom französischen Buffetier, Kellner, abgeleiteter Name) ist mit dem klassischen rot-schwarzen Outfit und der sonoren Stimme eine Attraktion.Wenn das Schulenglisch noch nicht ausreicht, seine Geschichten über das einstige Gefängnis und Mordschauplatz der Mächtigen zu verstehen, so ist das nur gut.Schließlich wurden Königsgattinen gehenkt und Gelehrtenköpfe nach der Exekution zur Abschreckung öffentlich aufgespießt. Auch wenn nicht alle Grausamkeiten übersetzt werden, bekommen junge Besucher bei der Führung durch die weitläufige Festung an der Themse einen Einblick in das von Intrigen, Machtbesessenheit und Mordlust bestimmte Hofleben früherer Epochen.Die Besichtigung der Kronjuwelen, eigentlich krönender Abschluß der Tower-Tour, wird man sich wohl abschminken müssen.Die Schlange ist meist so lang, daß auch die geduldigsten Kids keinen Bock haben, auszuharren, wo draußen das moderne London lockt. Anschließend : Westminster Bridge - mit dem roten Oldtimer-Doppeldecker ohne automatische Türen schnell zu erreichen - hat den Vorteil, daß man sich dort mit spitzem Stift verewigen kann, so man auf der eisernen Brüstung noch ein Plätzchen findet: "Sonja was here - April 1996" zum Beispiel.Und während der Nachwuchs kritzelt, erzählen die Eltern, sollten sie Lust haben, etwas über Westminster, das Parlament, die Abtei, Big Ben und die britische Demokratie.Auf der anderen Straßenseite führt eine Treppe hinunter zur Themse-Schiffahrt, Startpunkt für einen Ausflug zum schönsten der Tudor-Schlösser, Hampton Court Palace.22 Kilometer südwestlich von London bei Richmond-upon-Thames gelegen, läßt es sich mit dem Flußboot anfahren.Walkman gewohnte Kids werden sich mit der Tonband-Führung in der jeweiligen Nationalsprache zurechtfinden, obwohl der individuelle Gang durch die historischen Räume schon relativ früh nicht mehr mit dem Stand des Tonbands übereinstimmt.Doch auch ohne Kommentar ist der Palast, den Lordkanzler und Kardinal Thomas Wolsey 1526 notgedrungen seinem Herrscher Heinrich VIII.überlassen mußte, auch für Kinder interessant.Die königliche Küche beispielsweise oder die hochherrschaftliche Tennishalle.280 Räume - ohne Domestiken-Gebäude - gab es schon zu Heinrichs Zeiten, dessen Kinder verschiedener Mütter hier aufwuchsen.Der Irrgarten im Parkgelände ist ein königliches Vergnügen. Wer noch Zeit hat, nutzt die Rückfahrt auf der Themse, vorbei an wunderschönen Ufervillen und originellen Hausbooten - von Richmond Hill aus malte William Turner seine berühmten Flußlandschaften - zu einer Landpartie über die City hinaus nach Greenwich.Hier läßt sich wieder Spaß mit ein bißchen Bildung prächtig kombinieren.Gleich am südlichen Flußufer liegt die legendäre "Cutty Sark" auf Trockendeck, die von 1869 bis 1877 die Weltmeere durchpflügte, vollbeladen mit der Briten angeblich liebstem Getränk: Tee.Der malerische, einst für seine Schnelligkeit berühmte Segler kann besichtigt werden.Wir kamen allerdings zu spät, ein freundlicher Mensch beschied uns am späten Nachmittag: "Morgen wieder." Auch fürs Marinemuseum war es zu spät. Immerhin war noch Zeit, den Hügel hinauf zum Königlichen Observatorium zu erklimmen.Hier können naturwissenschaftlich interessierte Eltern den lieben Kleinen den Nullmeridian erklären.1884 teilten die Briten in Greenwich die Welt in eine östliche und eine westliche auf.Und selbst wenn er die kleine Sternwarte mit dem astronomischen Instrumenten nicht besichtigt, hat der Besucher vom Park aus einen schönen Blick auf die Themse. Windsor Castle ist für Kinder deshalb attraktiv, weil hier die Königin oft residiert, weil es in den schmalen Gassen des Orts hübsche zum Beispiel indische Lokale und vor allem viele, viele Geschenkläden gibt, und weil man im nahegelegenen Eton Großbritanniens Elite-Schülern begegnen kann. Auch ein Abstecher nach Wimbledon lohnt sich.Am Sitz des berühmtesten Tennisplatzes der Welt ist ein Museum eingerichtet, das sich natürlich mit diesem Sport beschäftigt.Der Centre-Court selbst kann außerhalb der Turnierzeiten vom Zuschauerrang aus besichtigt werden.Im Ort selbst gibt es nicht nur schöne Pubs, wo die Kids aber bisweilen noch immer streng draußen bleiben müssen, sondern auch einen Pferdestall im Hinterhof. In der City gibt es noch ein paar touristische "Pflichtübungen" für Kids.Keine Städtereise ohne Flohmarktbesuch, und da hat London viel zu bieten, sonnabends am besten die Portobello-Road, wo trotz enormen Andrangs beispielsweise tolle, günstige Jonglierbälle und viel Krimskrams zu erstehen sind.Sonntags bietet sich die bunte Vielfalt der Petticoat-Lane an, während Covent Garden immer eine Stippvisite wert ist.Dort läßt sich nicht nur bei dem netten schwarzen Händler eine Freundschaftsmünze in Sterlingsilber kaufen; unter dem Dach des Marktplatzes treten auch Zauberkünstler auf, die hübsche Jungfrauen unter Assistenz und viel Applaus des Publikums verschwinden lassen. Ein Muß für die Familie ist auch der Trafalgar Square, wo sich am Brunnen "tout London" und viele, viele Touristen treffen.Weshalb es auch improvisierte T-Shirt-Stände gibt: fünf Mark das Stück umgerechnet und mit mindestens fünf verschiedenen Tiermotiven.Von hier ist es nicht weit zu den Horse Guards im Regierungsviertel Whitehall; ein Erinnerungsfoto der Kleinen mit den stoisch Haltung bewahrenden Soldaten der Königlichen Kavallerie gehört einfach zu einem London-Trip.Zum Ausruhen zwischendurch bieten sich die Parks der Stadt an.Auch hier muß es nicht immer der Hyde-Park sein.Für Kinder spannend ist beispielsweise der Richmond-Park, wo Rot- und Damwild zu Hause sind.Und wer abends noch Lust zum Ausgehen hat: Londons Musicals, allen voran "Cats", lieben auch Kids.Besonders wenn man vorher durchs Chinesenviertel in Soho bummelt. TIPS FÜR LONDON - Anreise: Die London-Pauschalreisen der großen Veranstalter lassen die Wahl zwischen Flug und eigenem Auto.Die Veranstalter bieten auch Ausflüge an, etwa nach Schloß Windsor, Oxford/Stratford-on-Avon oder Stonehenge/Salisbury.Wer die Flugreise selbst organisiert, sollte auf Sonderkonditionen bei frühzeitiger Buchung achten.Wer per Fähre auf die Insel reisen will, hat mehrere Unternehmen zur Auswahl, zum Beispiel Stena Line, Eurolink, Sally, P & O oder Hoverspeed.Wer mit der Eisenbahn anreisen will, kann sich an das Deutschlandbüro von British Rail International wenden (Düsseldorfer Straße 15-17, 60329 Frankfurt am Main, Telefon: 069 / 23 85 42 44, Telefax: 069 / 23 60 00). -Der "BritRail Flexi Pass" ist für Erwachsene und Kinder für eine Reisedauer von vier, acht oder 15 Reisetagen zu buchen.Jeder Erwachsene kann mit einem BritRail-Paß ein Kind bis 15 Jahre kostenlos mitnehmen. - Unterkunft: Hotels und Pensionen sind im Lande der Queen mit Kronen ausgezeichnet, fünf Kronen sind die höchste Kategorie.Daneben gibt es die Einstufungen Approved (anerkannt), Commended (empfohlen), Highly Commended (besonders empfohlen) und Deluxe (Luxusklasse).Oft ist es bei London-Trips preiswerter, eine Pauschalreise zu buchen.Wer individuell fahren will, sollte sich die Broschüre "London Life" bestellen.Wer preisgünstig per Bed & Breakfest übernachten will, sollte reservieren.Für Camper empfiehlt sich die Broschüre "Camping & Caravan Parks".Auch in britischen Jugendherbergen sind Familien willkommen; es werden spezielle Zimmer auch mit Selbstverpflegung angeboten (Trevelyan House, 8, St.Stephens Hill, St.Albans, Herts AL, 1 2DY).Während der vorlesungsfreien Zeiten können Touristen preisgünstig auch in Universitäten und Colleges übernachten (British Universities Accomodation Consortium Ltd., Box 1007, University Park, Nottingham NG7 2RD). - Stadtverkehr: Die "Visitor Travelcard" ermöglicht unbegrenzte Fahrten mit allen Londoner U-Bahnen und den roten Stadtbussen.Sie muß in Deutschland gekauft werden (in Bahnhöfen und Reisebüros mit Agentur für Bahnkarten).Zusätzlich zu den Pässen mit einer Gültigkeitsdauer von drei, vier oder sieben Tagen gibt es Ermäßigungsgutscheine für Sehenswürdigkeiten.Wer Fahrscheine für nur ausgewählte Fahrzonen erstehen will, kann diese gegen Vorlage eines Paßfotos ermäßigt an den London Verkaufsstellen haben.Ohne Foto gibt es Tageskarten, die an Wochentagen aber erst von 9 Uhr 30 an gültig sind. - Einkaufen: Britische Erzeugnisse wie die Kultschuhe von Dr.Martens (in der City gibt es spezielle Läden, die nur diese Marke führen) oder Kosmetika vom Body Shop sind in London billiger.Viele Geschäfte haben auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet. - Auskünfte: Hilfreich ist die Broschüre "Entdecken Sie Großbritannien", die viele Infos und eine Adressenliste deutscher und britischer Reise-Spezialisten enthält.Die deutschsprachige Broschüre "Family Fun in Britain" stellt Einrichtungen vor, die besonders Kinder und Jugendliche ansprechen (zu bekommen bei der British Tourist Authority BTA, Taunusstraße 52-60, 60329 Frankfurt am Main, Telefon: 069 / 238 07 11, Fax: 069 / 238 07 17).Hier gibt es übrigens auch die Prospekte über Bed & Breakfast.

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