Zeitung Heute : Rohrblatt-Genuß

GREGOR SCHMITZ-STEVENS

Im Schauspielhaus: Klaus Thunemann und François LeleuxGREGOR SCHMITZ-STEVENSZahlreich hatten sich die Freunde der Doppelrohrblattinstrumente versammelt.Klaus Thunemann, Professor für Fagott an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler", und Albrecht Mayer, Solooboist der Berliner Philharmoniker, wollten gemeinsam musizieren.Doch Mayer war krank, François Leleux sprang ein: Und der 26jährige Musiker wurde zum Star des Abends im Kleinen Saal des Schauspielhauses. Frei, mit einer Ausdrucksintensität, wie man sie nur von der menschlichen Stimme kennt, ließ Leleux die Melodiebögen in Camille Saint-Saëns Oboensonate schweben.Das Schwesterwerk für Fagott hingegen wirkte hölzern, inflexibel in der Agogik.Ein paar kleine Hakeleien im Zusammenspiel mit dem Klavierpartner Stephan Kiefer brachten Unruhe in Thunemanns Interpretation.Besser in Form zeigten sich die beiden Musiker in "Sarabande et cortège" von Henri Dutilleux.In den gemeinsam gespielten Werken sprang der Funke über - die Interpretationen gerieten zu geistvoll animierenden Zwiegesprächen.So arbeiteten sie in André Jolivets Sonatine die vitale, widerspenstige Rhythmik heraus, ließen François Deviennes virtuose C-Dur-Sonate spielerisch leicht erklingen.In ähnlichem Geiste interpretierten sie Francis Poulencs neoklassizistisches Trio.Historisierende Versatzstücke sind hier mit harmonisch-rhythmischen Schärfen à la Strawinsky versehen.Wie das Trio diese Brechungen ausmusizierte, den klassischen Melodiebögen Leben einhauchte, das war genießerisch.

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