Zeitung Heute : Roland Koch?
„Namen sind Nachrichten“ besagt ein ehernes Gesetz im Journalismus. Roland Koch (CDU) könnte nach der Wahl vielleicht Bundesminister der Finanzen werden. Wäre das eine gute Nachricht? Wir überprüfen täglich die Amtstauglichkeit eines Spitzenpolitikers – bis zur Wahl.
AMT: Er ist, wiewohl mit 47 jünger an Jahren, schon einer der Granden, der Großen der CDU. Man stelle sich vor: 1998, die Union hat im Bund gerade krachend die Macht verloren. Als nächste Landtagswahl steht Hessen an und die Chancen stehen schlecht. Kochs Strategie ist gewagt. Er polemisiert gegen die doppelte Staatsbürgerschaft – und gewinnt. Mehr noch: Jahre später droht die Hessen-CDU im Spendensumpf zu versinken, Koch mit ihr.
Einmal sagt er sogar im Amt die Unwahrheit – und gewinnt doch wieder, diesmal mit absoluter Mehrheit. Seither heißt er der „Eiserne Roland“. Oder „Siegfried ohne Lindenblatt“. Oder „Teflon-Rollo“.
AMBITIONEN: Hatte er immer. Er gründete mit 14 eine JU-Ortsgruppe, war mit 20 Kreisvorsitzender der CDU. Und trug schon damals Schlips. Wer Bilder aus der Zeit anschaut, die ihn mit Helmut Kohl zeigen, sieht: Nur das Haar ist weiß geworden. Aber seien wir gerecht, er kann Politik, christdemokratische, die hat er im Blut. Schon sein Vater war Minister in Hessen und Landtagsabgeordneter. Er kann sparen und hat Ideen. Er macht Checklisten und hält sie ein. Das ist doch eher selten in der Republik. Unter den Granden der CDU ist Koch der Größte.
AUSSICHTEN: Sind für ihn immer gut. Es wäre keine Fron für ihn, in Hessen zu bleiben. Aber es wäre auch keine Überforderung, ihn in Berlin mit einem Amt zu betrauen. Es muss allerdings eines sein, das wirklich wichtig ist. Das muss Koch nicht erst sagen, das weiß jeder. Und weil auch jeder weiß, dass erst mal Edmund Stoiber entscheiden muss, was er will, hat Koch seinen engsten Vertrauten, seinen alten Weggefährten, den treuen Knappen Franz Josef Jung, für Berlin freigegeben. Das heißt: Koch nimmt Einfluss über Jung, denn der kann auch viele Ämter übernehmen. Er könnte einen guten Generalsekretär der Bundespartei abgeben, aber auch einen Bundesminister der Finanzen. Es sei denn, Koch will das selber werden.
WAHRSCHEINLICHKEIT: Wahrscheinlich ist als Erstes, dass „RoKo“ abwartet, was sich noch so alles tut in der CDU und mit der CSU. Gewinnt Merkel – gut. Verliert Merkel – auch gut. Dann kann er die CDU im Bund übernehmen. Viele sehen in ihm sowieso den Christdemokraten schlechthin, konservativ, kämpferisch, wertegebunden. Wie er als junger Mann Kohl die Stirn bot, weil der ihm untersagen wollte, den Dalai Lama zu treffen! Die beiden sind Freunde geworden, der Dalai Lama und Koch. Gewinnt Merkel und fragt Koch, ob er Finanzminister werden will, der einzige Minister mit einem Vetorecht – dann wird seine Antwort wahrscheinlich Jung sein. Aber er weiß auch: Aus Finanzministern können Kanzler werden. Aus Wirtschaftsministern übrigens auch.





