Zeitung Heute : Rolf Kauka, eine Comic-Karriere mit Eintrübungen

Andreas Kötter

Für nicht wenige Thirtysomethings dürfte in den sechziger Jahren der Freitag nicht nur Bade-, sondern vor allem auch "Fix und Foxi-Tag" gewesen sein. Wer beim Einkaufsbummel mit der Mutter folgsam war, der durfte als Belohnung bald das neue "Fix und Foxi" aus dem Kauka-Verlag in den Händen halten. Dass es nun gerade dieses deutsche Heftchen und nicht etwa dessen größter Konkurrent, die amerikanisch-stämmige "Micky Maus" aus dem Stuttgarter Ehapa-Verlag war, das Eltern ihren Sprösslingen angedeihen ließen, hatte Gründe. In einer Zeit, da Comics noch auf lange Sicht der Ruf als Schundliteratur anhaften sollte, hatte es sich der Herausgeber von "Fix und Foxi", der bei Leipzig geborene, heute 82jährige Rolf Kauka, zur Aufgabe gemacht, "deutsche Comics für deutsche Kinder" zu verlegen und sich von der Konkurrenz abzugrenzen. So stellte Kauka jedem Heft ein Editorial voran, in dem sich "Euer Rolf" an "Liebe Freunde" richtete und dabei moralinsaure Ratschläge der Marke "Mach anderen Freude, dann hast Du Spaß" zum Besten gab. Das Erfolgsrezept, zur Glanzzeit Mitte der 70er Jahre erreichten "Fix und Foxi" eine Auflage von 400 000 Stück, des ehemaligen Berufsoffiziers entsprach dennoch dem Muster der "Micky Maus". So schuf der "deutsche Walt Disney", wie ihn seine Fans gerne nennen, ab 1953 mit den Funny Animal Strips um die beiden Titelhelden seine sogenannte "FF-Familie", zu der nicht nur die vermenschlichten Füchse "Fix und Foxi", sondern auch der Wolf "Lupo" (dessen Pendant Disneys "Goofy" war) oder "Onkel Fax" ("Onkel Dagobert") gehörten. Ende 1964 folgte mit dem Ankauf franko-belgischer Serien der Versuch, auch eine ältere Leserschaft zu erschließen.

Spätestens hier, im neu gegründeten "Lupo"-Magazin, bekommt die Geschichte des Kaukaschen Comic-Universum eine düstere Färbung. Denn der im Hause Kauka gepflegte Umgang mit diesem Lizenzmaterial war fragwürdig. Traurige Berühmtheit hat dabei die "Germanisierung" von "Asterix und Obelix", die bei Kauka schnell zu den Germanen "Siggi und Babarras" wurden, erlangt. Das Abenteuer "Asterix und die Goten" hieß in "Lupo" nun "Siggi und die Ostgoten", das wohl beinahe jedem bekannte "gallische Dorf" sinnigerweise "Bonnhalla". Aus den "unbeugsamen Galliern" wurden besetzte Germanen, die Besatzer sprachen mit englischem, französischen oder russischem Akzent. "Den Gedanken an die Wiedervereinigung mit den Brüdern und Schwestern im übrigen Germanien hat man längst unter der Donar-Eiche begraben", hieß es etwa im Prolog zu "Siggi und die goldene Sichel". Deutsch-nationale Propaganda, mitten im Kalten Krieg. Noch übler wurde es, als auch noch antisemitische Züge auftauchten und aus einem Kneipenbesitzer der Kollaborateur "Schieberus" (!) wurde. Zweifel an dessen jüdischer Identität beseitigte man, indem man Schieberus in jiddischem Duktus parlieren ließ. Kein Wunder also, dass Albert Uderzo und René Goscinny (selbst jüdischer Abstammung), die geistigen Väter von Asterix, schnell die Lizenzvergabe an Kauka aufkündigten. Der antwortete wegen des großen, aber nicht zu prolongierenden Erfolges der "Asterix"-Adaption "Siggi" mit der dreisten Kopie "Fritze Blitz und Dunnerkiel" in seinem "TipTop" (Nachfolger von "Lupo"). Hier trat dann auch der ehemalige DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht als Comicfigur "Herzog Hulberick" auf. Es führte wohl zu weit, Kauka faschistoider Tendenzen zu bezichtigen, wie das etwa die satirische Monatszeitschrift "Pardon" tat, der "Lupo" als "rechtsradikales Kindermagazin" bezeichnete. Den Eintrübungen zum Trotz hat Kauka mit seinem "Lupo-Magazin" und den Nachfolgern "TipTop" und "Primo" die Entwicklung der deutschen Comicszene weg von der belächelten Heftchen-Kultur hin zu einer anspruchsvollen Alben- und damit Erwachsenen-Kollektion vorangetrieben wie sonst kaum einer.

Für die breite Öffentlichkeit aber dürfte seine Name stets mit den Füchsen verbunden bleiben: "Fix und Foxi" ist zweifellos das erfolgreichste und wohl auch langlebigste Comic-Magazin, das je in Deutschland realisiert wurde; das Heft erschien von 1953 bis 1994. Als dann der Pabel-Moewig Verlag, an den Kauka 1973 die Lizenzrechte von "Fix und Foxi" verkauft hatte, die Umstellung von einem Comic- auf ein an "Bravo" erinnerndes Jugendmagazin forcierte, stoppte Kauka, der heute nahe Atlanta im US-Bundesstaat Georgia lebt, diese Entwicklung und untersagte 1994 die Verwendung seiner Figuren.

Weitsichtig hatte der Verlagsfuchs die Rechte an "Fix und Foxi" nie endgültig aus der Hand gegeben. Jetzt, nach sechs Jahren ohne "Fix und Foxi", startet Kauka einen Neuanfang. Ironischerweise beim Ehapa-Verlag (der schon zum 45. Geburtstag der Serie eine Sonderedition herausgegeben hatte), dem einstigen Konkurrenten, dem er dieLizenzrechte verkauft hat. Dort erscheint am 27. April die erste Ausgabe des "Fix und Foxi-Magazins". Nur neue Geschichten werde man veröffentlichen, so Marion Egenberger, Pressesprecherin des Verlages. "Dazu Rätsel und Witze, insgesamt 36 Seiten." 165 000 Exemplare soll die Startauflage betragen, Erscheinungsweise monatlich. "Viel ändern wird sich nicht, einen redaktionellen Teil mit Edutainment-Charakter wird es nicht geben", so Egenberger. "Die Comics werden fröhlich und familienfreundlich gehalten, ganz im Sinne Rolf Kaukas." Der hatte die Redakteure des Verlages nach Atlanta gebeten und sich davon überzeugt, dass "Fix und Foxi" in guten Händen sind. Auch die elektronischen Medien will der konservative Kauka nun für seine Füchse nutzen. Am 26. Februar werden "Fix und Foxi" zu TV-Stars. 26 Folgen werden im Ersten ausgestrahlt, weitere sind in Planung. Man darf sicher sein: Auch die große ARD und das produzierende Ravensburger TV werden Onkel Rolfs Lieblingen kaum etwas in den Mund legen, was ihm nicht genehm wäre.

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