Zeitung Heute : Rollenspiele: Drei neue PC-Games für den Computer

Klaus Angermann

Fast jeder Mensch möchte einmal in die Rolle eines echten Helden wie James Bond schlüpfen. Oder er träumt davon, ins Mittelalter abzutauchen und sich mit finsteren Mächten anzulegen oder als blutgeiler Vampir anderen den Lebenssaft auszusaugen. Was in der Wirklichkeit natürlich nicht funktioniert, ermöglichen heute aufwendig programmierte Rollenspiele am PC. Teuflischen Spaß wollen derzeit "Diablo", "Vampire - Die Maskerade" und "Deus Ex" bieten. Doch können sie ihr Versprechen auch halten?

Diablo 2 ist die Fortsetzung eines weltweiten Erfolgs von Blizzard. Wie im ersten Teil geht es um die Bekämpfung des Bösen. Diablo, Herr des Schreckens, wandelt wieder auf der Erde und versucht, die Menschheit zu unterjochen. Stolze drei Jahre Entwicklungsarbeit stehen hinter dem Spiel, und ein grafisch sehr aufwändiges Film-Intro lässt hoffen, dass sich die Warterei gelohnt hat.

Doch schnell erfolgt eine erste Ernüchterung, denn das Spiel ist zweidimensional aufgebaut mit einer Auflösung von 640 mal 480, also alles andere als eine hochauflösende Grafikschlacht. Der Einstieg ist schnell erzählt: Im Einzelspieler-Modus stehen fünf Helden zur Auswahl, die unterschiedliche Fähigkeiten wie Zauberkraft, Kriegslist oder barbarische Kampfstärke besitzen. Nach der Auswahl findet man sich in einem Heerlager wieder und erhält den Auftrag, im nahe gelegenen Blutmoor und auf einem Friedhof gegen finstere Gestalten, Skelette und andere Untote anzutreten.

Mit zunehmender Spieldauer steigen die Anforderungen, in gleichem Maße wachsen die Fertigkeiten. Schnell beginnt die Story zu fesseln, trotz der geringen Auflösung ist das Spiel überraschend detailliert gestaltet. Ehe man sich versieht, ist man fast schon süchtig, da neu entstehende Situationen und Aufgaben keine Langweile aufkommen lassen. Ein Tip: Im Freundeskreis Diablo-2-Neugierige suchen, die den Spaß auch über Netzwerk spielen wollen.

Dunkle Magie kann auch Vampire von Activision vorweisen. Bevor es aber an ein Spiel allein oder über ein Netzwerk geht, steht intensiveres Studium des fast 100-seitigen Handbuchs an. Christophe, ein junger Kreuzritter, befindet sich auf einem Feldzug gegen das Böse. Doch ein Vampirbiss macht ihn selbst zu einem Untoten, der nun wider Willen blutschlürfend auf die Jagd nach Opfern wie auch nach bösen Vampiren geht.

Ausgehend vom mittelalterlichen Prag und Wien spannt die Handlung einen Bogen bis in das heutige London und New York. Der Held sammelt zur Weiterentwicklung unterwegs Waffen und Zaubersprüche. Leider ist die Handlung sehr linear, und nur Christophe steht als Spielfigur zur Verfügung. Dafür entschädigt eine unheimlich wirkende Atmosphäre mit ordentlicher Grafik. Nur schade, dass kein einziger politisch unkorrekter Blutstropfen zu sehen ist. Auch die teilweise unübersichtliche Bedienung besonders im Kampfgetümmel ärgert vor allem im Vergleich mit anderen Rollenspielen manchmal.

Das Erfreuliche bei beiden diabolischen Rollengames ist ihre Hardware-Genügsamkeit. Von ganz anderem Kaliber ist da der dritte im Bunde, der ebenfalls das Rennen als Spiel des Jahres machen möchte. Begnügt sich die Konkurrenz noch mit einem Pentium 233 als Minimalrechner, läuft bei "Deus Ex" von Spielhersteller Eidos unter einem Pentium II 300 gar nix. Besser ist schon ein Athlon oder Pentium III-Prozessor mit 128 Megabyte Hauptspeicher, selbst dann kann es ab und an ruckeln.

Auch bei Deus Ex geht es um Bösewichter, allerdings befinden die sich in einer Art Endzeit: Eine beinahe zusammengebrochene Zivilisation wird von bösen Viren verseucht, Terrorismus und Korruption sind an der Tagesordnung. Ziel ist es, als Antiterror-Geheimagent namens J.C. Denton die Weltherrschaft skrupelloser Mächte zu verhindern.

In New York, Hong Kong und Paris stehen insgesamt 15 Missionen an, aber nicht hirnloses Ballern ist angesagt: Der Held muss taktieren und entscheiden, mit wem er ein Bündnis eingeht. Mit zunehmender Spieldauer wird deutlich, wie verrottet diese Spielwelt ist und dass man nur wenigen trauen darf. Es kann sogar notwendig sein, sich vom Auftraggeber, der eigenen Terroreinheit, abzuwenden.

Eidos verspricht eine epische Umgebung, und dies ist dem Spiel aufgrund des imposanten Handlungsablaufs gelungen. Der Spieler selbst entscheidet, welche Methoden und Wege er zur Auftragserledigung wählt. Unterstützt wird der Spielspaß durch eine detaillierte Grafik, die aber - wie angedeutet - eine hohe Rechenleistung erfordert. Auch der Schwierigkeitsgrad bewegt sich auf sehr hohem Niveau; wer glaubt, nur eine verbesserte Version eines "Unreal"-Spiels vor sich zu haben, wird gewaltig getäuscht. Deus Ex ist Rollenspiel pur und folgt genau dem Handlungsstrang, den man individuell generiert.

Drei Rollenspiele, wie sie verschiedener kaum sein könnten. Für Freunde von Quake-Schlachten gibt es derzeit keine Alternative zu Deus Ex; vorher sollte aber genau überlegt werden, ob der heimische PC wirklich noch mitmacht. Eine schöne Grafik bietet Vampire, lässt den Helden aber seine Abenteuer in einer festgelegten Reihenfolge erledigen, was manche Rollenspielfreaks sicherlich nicht erfreut. Packend ist Diablo 2 trotz der Zweidimensionalität gelungen und macht auch dem Anfänger Spaß.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben