Zeitung Heute : Roller-Blades: Inline-Skaten am laufenden Band

Claus-Dieter Steyer

Von Aufklebern, Plakaten und Faltblättern leuchtet in der Region um Luckenwalde eine große 100 auf silbernem Untergrund. Dahinter verbirgt sich jedoch kein rundes Jubiläum, sondern eine Entfernungsangabe. Genau 100 Kilometer soll einmal Deutschlands längster Inline-Skate-Kurs lang sein. Dazu kommt eine 70 Kilometer lange Strecke, die sich die Freizeitsportler mit den Radfahrern teilen müssen. Im Herbst rechnet Landrat Peer Giesecke mit der Fertigstellung. "Falls alles wie am Schnürchen klappt", fügt er einschränkend hinzu.

Aber spätestens im nächsten Jahr stehe der ganze Kurs zur Verfügung. Schon jetzt aber, wo der letzte Schnee dahinschmilzt, lassen fertiggestellte Teilstücke etwas von dem besonderen Gefühl des Fahrens auf glatter Bahn und vor allem abseits vom Verkehrslärm ahnen. Auf Berlins beliebstester Skaterstrecke, dem Kronprinzessinnenweg, rollt man schließlich direkt neben der Avus. Noch gilt die Bahn als Geheimtipp, obwohl sich immer mehr Anhänger der Trendsportart auf den Weg in den Kreis Teltow-Fläming aufmachen.

Ihr Ausgangspunkt ist im Moment der direkt an der Bundesstraße 101 hinter Luckenwalde liegende Ort Kolzendorf. Dort beginnt hinter der Gemeindegrenze die drei Meter breite asphaltierte Strecke über 4,5 Kilometer bis nach Neuhof. Noch fehlen zwar Wegweiser, aber jeder Einwohner weiß Bescheid. Gleich neben dem neuen Wohnpark nimmt das schwarze Band in Richtung Wald seinen Anfang. Viele Spuren auf dem glatten Belag künden von einer starken Nutzung. Pünktlich zum Start der Freiluftsaison soll ab April ein 11, 5 Kilometer langer Rundkurs zwischen Kolzenburg und Jänickendorf ein fast grenzenloses Fahren ermöglichen. Die überwiegend flachen Strecken führen hauptsächlich durch den Wald, so dass jederzeit eine gemütliche Rast im Grünen möglich ist.

Später sollen sogar 19 Rastplätze mit einem Holzpavillon vor Regen oder Sonnenschein schützen. Informationstafeln zu Angeboten in der Region sind an den Wänden eingeplant. An Zielen mangelt es nicht, erwähnt seien nur Kloster Zinna, Schloss Wiepersdorf, der Vierseithof in Luckenwalde, eine Zinngießerei, ein Puppenmuseum oder die Jüterboger Altstadt.

"Wir wollen gerade den südlichen Teil unseres Landkreises mit der Skater-Bahn für Ausflügler und Touristen attraktiv machen", sagt Detlef Gärtner, Baudezernent in der Luckenwalder Kreisverwaltung. Gaststätten und Hotels bereiteten schon spezielle Angebote für Tagesausflügler oder Skater-Urlauber vor. Auch an Ausleihstationen werde gedacht. Der Kurs sei nicht allein den Sportlern auf den kleinen Rollen vorbehalten. Auch für Rollstuhlfahrer eigne sich die Piste hervorragend. 23 Millionen Mark kostet die in Deutschland einzigartige Anlage, von denen die Europäische Union und das Land Brandenburg 70 Prozent und der Kreis Teltow-Fläming 30 Prozent tragen. Ab 2002 soll ein Stadion mit allen Raffinessen die Attraktion noch vergrößern. Zehn Millionen Mark sind für das so genannte Roll-O-Drom in einer früheren Jüterboger Militärsiedlung veranschlagt. Hier ist an die Austragung nationaler und internationaler Wettbewerbe gedacht. Ohnehin führt der größte Teil der Piste über frühere Truppenübungsplätze.

Die Idee zu diesem Freizeitspaß hatte Landrat Giesecke. Eines Morgens soll er in die Dezernentenrunde der Kreisverwaltung mit einem "verrückten Vorschlag" gekommen sein. Ein Freund habe als begeisterter Skater am Abend zuvor von einem Kurs in Österreich geschwärmt. Das habe dann Giesecke aufgegriffen und seine Experten schließlich vom anfangs skeptisch aufgenommenen Plan überzeugt, erzählt man sich heute im Kreishaus von Luckenwalde.

Das bisher fertig gestellte Teilstück der Skaterstrecke ist von Berlin aus in einer guten Autostunde über die B 101 bis zum Abzweig nach Kolzendorf zu erreichen. Hinter dem Dorf beginnt das Asphaltband. Künftig sollen auch öffentliche Verkehrsmittel die Piste ansteuern. Das nächstgelegene Fachgeschäft mit Ausleihmöglichkeiten befindet sich am Jüterboger Marktplatz.

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