Zeitung Heute : Roman Coppola dreht Werbespots für E-Commerce-Unternehmen und denkt über Internetfilme nach

Für das Musikvideo zu Fatboy Slims "Praise Yo

Roman Coppola, Sohn von Francis Ford Coppola, dem Regisseur von "Der Pate" oder "Apocalypse Now". Mit 16 Jahren begann Roman als Tonassistent. Nach dem Besuch der Filmschule auf der New York University produzierte er selber fünf Spielfilme oder arbeitete als Produzent. Mit seiner Produktionsfirma "The Directors Bureau" dreht er Musikvideos, Werbespots und jetzt für eine Online-Firma. Gregor Wildermann sprach mit Coppola über Onlineshopping, Tomatensauce und Steven Spielberg.

Für das Musikvideo zu Fatboy Slims "Praise You" haben Sie bereits mehrere Preise gewonnen. Der Werbespot von boo.com ist dem in Thema und Machart angelehnt. Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Kontakt zwischen Ihnen und einer Onlinefirma?

Den Leuten von boo.com gefiel das "Praise You"-Video wegen dem offensichtlichen Spaß, der bei dem Videodreh entstand. Gerade diese simple Machart schien Ihnen genau richtig. Es sieht eben wie ein persönliches Home-Video aus. Da sehr viel Werbung völlig unpersönlich geworden ist, wollte man einen Gegentrend setzen. Ich selber wusste über boo.com nur, dass es ein Sportswear-Vertrieb im Netz sein sollte. Am meisten reizte mich jedoch die Tatsache, dass die Firma für eine Netzseite im Fernsehen Werbung machen wollte. Das sieht man selbst hier in Amerika eher selten und somit hat dieser Bereich der Werbung noch keine festgesetzte Identität. Das war für mich im Gegensatz zu anderen Werbespots eine Herausforderung.

Wie kommt ein Spielfilmregisseur dazu, kurze Musikvideos zu drehen?

Zeitweise spielte ich in einer Country-Rockband namens "Blugill" und 1994 brauchten wir für unsere Band dringend ein Video. Da wir nicht sehr viel Geld hatten, habe ich einfach selber das Video gedreht. Ich liebe Musik und da war es fast natürlich, dass mich auch das Medium Musikvideo irgendwann interessieren würde.

Sehr viele Musikvideos sehen mittlerweile immer gleich aus. Ihre Videos und auch der Werbespot für boo.com finden jedoch immer einen neuen Ansatz. Haben Sie für Ihre Arbeit ein Rezept?

Das ist schwer zu sagen. Mir gefällt, das die eigentliche Idee hinter den Videos Freude macht. So als ob man einen Zaubertrick macht und erst einmal alle verblüfft sind. Im englischen wäre "Delight" das richtige Wort. Es scheint immer etwas zu geben, was überrascht und so noch nicht gesehen wurde. Für das Duo "God Lives Underwater" habe ich zum Beispiel den Weltmeister im Hot-Dog Essen Hirofumi Nakajima aus Japan einfliegen lassen. Er musste über sechs Drehtage lang die unterschiedlichsten Speisen essen, die ich dann rückwärts abgespielt ins Video einbrachte. Für die Gruppe "Manson" haben wir das ganze Geld vom Videobudget in die Liverpooler Train Station geworfen und dies mit einer einfachen Digital-Videokamera gefilmt. Für das Video zu Daft Punks "Revolution 909", das die Geschichte eines Tomatensandwiches von einem Polizisten erzählt, hat mein Vater mir übrigens bei der Zubereitung der Tomatensauce geholfen.

So wie das Internet die Kommunikation verändert hat, scheinen digitale Videokameras Ihren Arbeitsstil beeinflusst zu haben!

Die leicht verwackelte Videokamera hilft natürlich bei der scheinbar unprofessionellen Ästhetik des Videos. Gerade durch solche kleinen Videokameras ergibt sich für mich ein ganz neues Feld von Möglichkeiten, das erst noch erforscht werden muss. Du kannst in der Nacht drehen, die Kamera leicht verstecken und außerdem bekommt man 10 Videokameras im Verhältnis zu einer professionellen Filmkamera. Ich habe gerade zwei Commercials für die Rucksackfirma "Eastpack" in nur einem Tag abgedreht und auch dort filmten wir unter Wasser, eine Kamera auf einen Auto, eine andere war an einem Fahrrad montiert. Wenn wir das mit einer normalen Filmkamera gemacht hätten, wären drei Tage drauf gegangen.

Gerade hat Steven Spielberg und seine Produktionsfirma Dreamworks mit POP.com eine Onlinefirma gegründet, die Filme exklusiv nur für das Internet machen will. Wann kommt Ihr erster Internetfilm ins Netz?

Ehrlich gesagt, kenne ich mich im Internet noch gar nicht so gut aus. Ich habe zwar einige Sites, die ich ab und zu anschaue, am Ende jedoch zu wenig Zeit, um öfter im Netz zu surfen. Einen reinen Internetfilm könnte ich mir aber schon vorstellen, weil das schon wieder eine neue Herausforderung ist.

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