ROMAN Lars Gustafsson liest aus „Der Tod eines Bienenzüchters“ : Aufgeben ist nicht

Gerrit BartelsD

Lars Gustafsson braucht nicht viele Sätze, um den Helden seines Romans „Der Tod eines Bienenzüchters“ zu beschreiben. Lars Lennart Westin heißt er, war früher Volksschullehrer und verheiratet, ist jetzt geschieden und Bienenzüchter, der vom Honigverkauf lebt. Und: „Er wurde am 17. Mai 1936 geboren. Aber er sieht schon viel älter aus als vierzig, verbraucht, mit schütteren Haaren. Er trägt eine von diesen Brillen mit schmalem Stahlrand, die den Eindruck der Magerkeit verstärken. Er lebt unter äußerst bescheidenen Bedingungen, aber das ist nicht sein Problem“.

Sein Problem ist: Er hat Krebs und nicht mehr lange zu leben. Wie er damit umgeht, das schreibt Westin in Notizbücher, in ein gelbes, ein blaues und ein „beschädigtes“. Es beginnt damit, dass sein Hund ihn nicht mehr am Geruch erkennt und ihm wegläuft. Auf der Suche nach seinem Hund fängt er einen Frosch, der ihm auf die Hand pinkelt und ihn zu der Erkenntnis bringt: „Wir fangen noch einmal an. Wir geben nicht auf“.

Diese Sätze sind das Leitmotiv dieses eindringlichen Romans, den Lars Gustafsson als letzten von fünf autobiografisch inspirierten Romanen 1978 vorlegte. Ehe, Kindheit, Schmerzen, nichts bleibt ausgespart, und auch hierfür benötigen Westin/Gustafsson nie viele Worte, um der Lebenswahrheit auf den Grund zu kommen, mit Sätzen wie: „Lieben wir unsere Vorstellung von einem Menschen oder den Menschen selbst?“ Und mit Sätzen, die sich auch gut fürs Theater eignen: Die Vaganten Bühne hat Gustafssons Roman adaptiert, Uraufführung ist am 7. Januar um 20 Uhr. Gerrit Bartels

Vaganten Bühne, So 10.1.,

11 Uhr, 7 €, erm. 6,50 €

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