ROMANAlina Bronsky liest am Kollwitzplatz : Rosalinda Supertatar

von

Die kleine Aminat kommt in einer kalten Dezembernacht des Jahres 1978 zur Welt. Ihr Geburtsort: eine sowjetische Industriestadt in der Nähe der imaginären Trennlinie zwischen Europa und Asien. Ihre Mutter: die 17-jährige Sulfia, die nicht weiß, wer der Vater ist. Keine optimalen Voraussetzungen also für den Start ins Leben. Aber es gibt ja noch Rosalinda – gewissenhafte Archivarin, diktatorische Ehefrau und jetzt auch Großmutter eines Mädchens, das ihr Ein und Alles werden wird. Diese drei weiblichen Figuren sind die Hauptpersonen in Alina Bronskys zweitem Roman „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“.

Die Schriftstellerin wurde vor 32 Jahren im russischen Swerdlowsk – dem heutigen Jekaterinburg – geboren. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zog sie als 13-Jährige mit ihren Eltern ins hessische Marburg, wo ihrem Vater eine Stelle als Physiker angeboten worden war. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium arbeitete sie als Journalistin und verfasste ihren Debütroman „Scherbenpark“, der 2008 für Furore sorgte. Im August 2010 erschien ihr aktuelles Werk, aus dem Bronsky im Georg Büchner Buchladen am Kollwitzplatz lesen wird. Die tatarische Familiengeschichte ist ebenso ungewöhnlich wie unterhaltsam. Lakonischer Sprachwitz, skurrile Wendungen und eine menschliche Wärme, die tief berührt – Alina Bronsky ist eine grandiose Tragikomödie gelungen. Von der Sowjetunion Ende der Siebziger bis ins Deutschland der nuller Jahre: drei Jahrzehnte, zwei politische Systeme und eine faszinierende Protagonistin. Sehr empfehlenswert!

Daniel Grinsted

Georg Büchner Buchladen, Di 26.10.,

20 Uhr, € 8

Autor

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar