Zeitung Heute : Romantischer Geist

GREGOR SCHMITZ-STEVENS

Das Vellinger-Streichquartett im KammermusiksaalGREGOR SCHMITZ-STEVENSDer öffentlich-rechtliche Rundfunk soll das Musikleben nicht nur spiegeln und kommentieren, sondern auch ergänzen.Seit einigen Jahren ist das "Debüt im DeutschlandRadio" im Kammermusiksaal der Philharmonie ein fester Bestandteil des Berliner Musiklebens: Junge Künstler stellen sich hier erstmals in Berlin vor.Diesmal war das Vellinger-Streichquartett aus England eingeladen.Seit seiner Gründung 1991 hat es zahlreiche Preise gewonnen; seit 1994 unterrichtet es als "Quartet in residence" an der Londoner Guildhall School. Mit je einem Werk aus Klassik, Romantik und Moderne zeigte das Vellinger-Quartett, daß es in allen Epochen zu Hause ist.Witz und formale Originalität arbeiteten die Musiker in Haydns C-Dur-Quartett (Opus 50,2) heraus.Ein wirkliches Verdienst ist die Interpretation von Mendelssohn Bartholdys a-Moll-Quartett (Opus 13).Der achtzehnjährige Komponist setzt sich hier mit dem späten Beethoven auseinander.Sehr überzeugend stellte das Vellinger-Quartett die rhapsodische, durch ein wiederkehrendes Liedmotto zum Zyklus gefügte Form dar; wunderbar setzte es im Intermezzo den schlichten, volksliedhaften Tonfall neben ein kunstvolles, scherzohaftes Fugato.Stephanie Gonley deklamierte spannungsvoll die aufgewühlten Rezitative des Finalsatzes. Schließlich wagten sich Stephanie Gonley, Harvey de Souza, David Harding und Sally Pendlebury an Schönbergs drittes Streichquartett (Opus 30), mit dem der Komponist nach den formalen Experimenten seiner ersten beiden Quartette zur klassischen, viersätzigen Form zurückkehrt.Sie interpretierten auch dieses Werk ganz aus dem Geist der Romantik - gelegentlich klang es fast wie Brahms.Mit viel Ausdruck und zupackendem, expressivem Gestaltungswillen verwandelte das Vellinger-Quartett so auch das als spröde und undankbar geltende Werk zu einem sinnlichen Erlebnis. DeutschlandRadio Berlin sendet das Konzert am 26.2.um 20 Uhr.

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