ROMANUNGETÜMHarald Schmidt präsentiert „Unendlicher Spaß“ : Amerikas Seelenasche

Gregor DotzauerD

Als David Foster Wallace den Amerikanern 1996 die über tausend Seiten von „Infinite Jest“ vor die Füße warf, da war er ein junger Mann von 34 Jahren, und seine finstere Intelligenz strahlte bis in den letzten Winkel dieses literarischen Ungetüms. Mit parodistischem Gift beschwor er die Geister eines in Zivilisationsschutt und Seelenasche liegenden Amerika der nahen Zukunft. Zugleich ließ er keinen Zweifel daran, dass es darum ging, unter den Trümmern der Gegenwart noch lebendig hervorzukriechen. „Infinite Jest“ war, wenn kein optimistischer, so doch ein leidenschaftlich positiver, vitaler Roman – gerade in seiner Destruktivität. Ulrich Blumenbachs deutsche Übersetzung hat Foster Wallace leider nicht mehr erlebt: Am 12. September 2008, mit 46 Jahren, erhängte er sich im kalifornischen Claremont. Von Jugend an hatte er im Schatten einer Depression gelebt, die sich mal mehr, mal weniger beherrschen ließ.

Ein erster Erzählstrang widmet sich der Enfield Tennis Academy und ihrem hoffnungsvollen Spross Hal Incandenza. Von da aus widmet sich das Buch retrospektiv den neurotischen Fährnissen des gesamten Incandenza-Clans – dies aber keineswegs linear. Ein zweiter Erzählstrang widmet sich Don Gately, der nach einer Drogenkarriere der gute Geist von Ennet House ist, einer Therapieeinrichtung für Säufer und Süchtige. Ein dritter Strang beschäftigt sich mit einer Gruppe von Quebecer Separatisten. Wie verrückt und bewegend das alles ist, davon wollen nun Harald Schmidt, die Schauspieler Anne Ratte-Polle und Trystan Pütter und der Übersetzer das Publikum im Prater überzeugen. Gregor Dotzauer

Volksbühne im Prater,

Mo 12.10., 20 Uhr, ausverkauft

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