Zeitung Heute : Romeo in Rio

Ich tanze mit dir in den Himmel hinein, läuten die Glocken Silvester 2000 für Joao und Maria.Während an der Copacabana unzählige Menschen mit Feuerwerk und Tanz das neue Jahrtausend begrüßen, finden über den Dächern von Rio für einige kostbare Stunden zwei Verzweifelte zueinander: Sie (Fernanda Torres), eine junge Taubstummenlehrerin, wurde von ihrem Mann verlassen und wollte sich gerade umbringen.Er (Luis Carlos Vasconcellos), vor wenigen Stunden aus dem Gefängnis geflohen, hat auf Geheiß des Gefängnisdirektors seinen besten Freund erschossen und wird nun selbst von Killern gejagt.Eine Utopie, diese kurze Liebe zweier Verlorener: Schon am nächsten Tag wird er am Strand erschossen, während sie ins Meer hinausschwimmt.

Walter Salles, der im letzten Jahr für "Central do Brasil" den Goldenen Bären gewann und am Donnerstag im Rahmen einer Sondervorführung des Panoramas mit dem Preis des Eurasia-Festivals Alma-Atar ausgezeichnet wurde, hat gemeinsam mit der Regisseurin Daniela Thomas mit dem 75-Minuten-Film "O primeiro dia" seinen Beitrag zum Jahrtausendwechsel geleistet: Der Film ist einer von zehn Programmfilmen, die der Fernsehsender arte zum Jahr 2000 drehen ließ."Es wird alles anders, von 1999 bis 2000 wechselt jede der vier Zahlen" beschwören die Figuren im Film immer wieder ihre Sehnsucht nach Veränderung.Die bittere Botschaft des Films, der zu einem Großteil in den favelas, den Armenvierteln an Rios Hängen gedreht wurde, dagegen ist: Es bleibt alles beim Alten.Die reiche Welt der Ebene und die Armut der favelas können auf Dauer nicht zueinander finden, und wenn es doch für einen kurzen Moment zwischen den Jahren möglich erschien, so liegt in diesem romantischen Traum schon das höchste der Gefühle.Harte Wahrheit eines ehrlichen Films. til

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