Zeitung Heute : Rotterdam: Weltoffen und überaus lebendig

Katharina Klink

Über Rotterdam sagt ein Sprichwort, dass dort die Hemden schon mit hochgekrempelten Ärmeln verkauft werden. Der Stadt an der Neuen Maas haftet von jeher das Image schweißtreibender Arbeit an. Bester Beweis und immer noch das Aushängeschild ist der Hafen, der größte der Welt. Aber auch in Rotterdam wird nicht nur hart zugepackt: Die "kleine Schwester Amsterdams" präsentiert sich gern als weltoffene, lebendige Stadt mit großem kulturellen Angebot. In diesem Jahr will sie ihre Besucher endgültig davon überzeugen: Rotterdam ist neben Porto "Europäische Kulturstadt 2001".

"Rotterdam ist viele Städte" - unter diesem Motto stehen die rund 250 Veranstaltungen des Kulturjahres. Opern auf der Maas und Sonderausstellungen in den Museen sind ebenso geplant wie Tanz- und Comedy-Festivals. Widerspiegeln soll sich darin die Vielfältigkeit der Maas-Metropole, denn schon die Rotterdamer selbst geben ein buntes Bild ab: Die 600 000 Bewohner haben 162 verschiedene Nationalitäten.

Die Kulturprojekte des Jahres sind dem Motto entsprechend thematisch gebündelt: Die einen zeigen zum Beispiel die "Heimatstadt Rotterdam", andere richten den Blick auf die "Vergnügungsstadt" oder auf die "Zukunftsstadt". Dreh- und Angelpunkt von "Rotterdam 2001" ist das "Calypso 2001" am Mauritsweg 5 im Stadtzentrum nahe dem Hauptbahnhof. Hier laufen nicht nur alle organisatorischen Fäden zusammen, auch für Rotterdam-Besucher ist das Calypso eine wichtige Adresse: Hier gibt es neben ausführlichen Informationen zu allen Aktivitäten in der Stadt auch Tickets.

Ein guter Startpunkt, um Rotterdam in all seinen Facetten zu erleben, ist die Lebensader der Stadt, die Neue Maas. Ob mit Tragflächenboot, Schaufelraddampfer oder Segelschiff - eine Hafenrundfahrt sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Beim Anblick der riesigen Containerschiffe, der Kräne und Lagerhallen werden die nackten Zahlen der maritimen Erfolgsgeschichte lebendig: 300 Millionen Tonnen Ware werden hier alljährlich umgeschlagen, auf einem Gebiet von rund 10 000 Hektar Größe.

Vom Wasser aus hat man einen guten Blick auf die Skyline der Stadt westlich der Neuen Maas. Der Name Rotterdams steht auch für moderne Architektur. Das historische Stadtzentrum wurde durch das deutsche Bombardement 1940 fast völlig zerstört. Seit Ende des Krieges haben Städtebau- und Architekturprojekte das Bild der Stadt immer wieder verändert. Zu bestaunen sind auch gewagte Gebäude wie die 1984 fertig gestellten "Kubushäuser": Die kleinen würfelförmigen Häuser stehen auf einer ihrer Spitzen, so dass Fenster und Wände nach außen Schrägen bilden. Und die Rotterdamer planen weiter: Auf dem "Kop van Zuid", östlich des Flusses, soll "Manhattan an der Maas" entstehen.

Den Ost- und Westteil der Stadt verbinden mehrere Brücken über die Neue Maas, die eindrucksvollste ist aber sicherlich die 1996 fertig gestellte Erasmus-Brücke. Benannt nach dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt, dem Humanisten und Theologen Desiderius Erasmus, ragt sie mit ihrem torähnlichen, geknickten Pfeiler 139 Meter in die Höhe.

In unmittelbarer Nähe der Erasmus-Brücke kann die Entdeckungsreise ins kulturelle Rotterdam beginnen: beim Weltmuseum an der Willemskade. Im vergangenen November öffnete das ehemalige Museum für Völkerkunde nach umfangreichen Renovierungen wieder seine Pforten. Neben den Sammlungen von Kunstgegenständen aus allen Teilen der Welt begeistert besonders die Ausstellung "Rotterdamers". In ihr wird die ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt der Stadt beleuchtet.

Auch das Weltmuseum hält im Kulturstadt-Jahr etwas Besonderes für seine Besucher bereit. In der Ausstellung "Welt des Wassers" im Juli und August, dreht sich alles um das Lebenselixier: um seine alltägliche wie auch seine religiöse Bedeutung. Programme für Kinder machen die Ausstellung zur Familienattraktion.

Nach rund 15 Minuten Fußmarsch vom Weltmuseum in Richtung Stadtzentrum befindet man sich im so genannten Museumspark. Dicht beieinander rund um eine Parkanlage liegen hier verschiedene Museen, darunter die Kunsthalle und das Boijmans van Beuningen Museum. Auch in diesen Museen findet in diesem Jahr Außergewöhnliches statt: Die Galerie Boijmans van Beuningen etwa stellt von Mai bis August Zeichnungen und Radierungen von Pieter Bruegel dem Älteren aus. Von September an folgt die Ausstellung einiger Werke von Hieronymus Bosch.

In der Hafenstadt Rotterdam darf auch ein Marine-Museum nicht fehlen. Etwa 15 Minuten Fußmarsch vom Museumspark entfernt, liegt es nahe den Kubushäusern. Im Kulturjahr präsentiert das Marine-Museum eine wahrlich "europäische" Ausstellung: Unter dem Titel "Rotterdam und der Rhein" geht es um die Bedeutung der Rheinschifffahrt für Rotterdam, die Niederlande und ganz Europa. Dabei sollen auch die deutschen Rheinhäfen eine Rolle spielen.

Wem nach solch geistiger Kost der Sinn nach einer leiblichen Stärkung steht, der wird im Stadtzentrum ausgiebig fündig. Neben der niederländischen ist vor allem die indonesische Küche in Rotterdam vertreten. Ein holländischer Abend beginnt mit dem Genever, einem Wacholderbranntwein. Die Kneipen im Stadtteil Delfshaven westlich vom Zentrum sind hierbei erste Wahl.

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