Zeitung Heute : Routenplanung: Staustufe Grün

Holger Schlösser

In die Provence soll es diesen Sommer gehen, nach Villes sur Auzon, eine halbe Stunde von Avignon entfernt. So klein das französische Örtchen auch sein mag, wenn einer eine Reise tut, sollte er zur Vorbereitung ruhig einen Blick ins Internet riskieren. Über Suchmaschinen wie Google.de können schnell erste Informationen nicht nur über den Urlaubsort am Fuß des Mont Ventoux gesichtet werden. Das meiste davon ist zwar auf Englisch oder Französisch, dafür gibt es aber viele aktuelle Tipps, vom Ferienhaus über Sehenswürdigkeiten aus der Umgebung bis hin zu Wochenmärkten oder kulturellen Veranstaltungen. Deutschsprachige Informationen zu 4000 Reisezielen hält www.marcopolo.de bereit. Das Örtchen Villes sur Auzon findet sich zwar nicht darunter, dafür aber eine schöne Reisereportage zu Avignon nebst Hinweisen auf interessante Museen, Galerien und empfehlenswerte Restaurants.

Hat man sich einen Überblick verschafft, geht es an die Reiseplanung. Hier bietet das Netz recht professionelle Routenplaner, mit denen sich die Fahrt in die Sonne genau berechnen lässt. Das Internet-Verzeichnis Yahoo.de zählt mehr als ein Dutzend verschiedener Adressen auf, die einen solchen Service kostenlos anbieten. Eine davon ist www.falk.de . Der Falk-Verlag druckt nicht nur Landkarten, sondern hat auch ein erfolgreiches Online-Angebote auf die Beine gestellt. Durchschnittlich finden sieben Millionen Besucher pro Monat den Weg auf die Seite.

Neben elektronischen Landkarten und Stadtplänen findet sich auch ein Routenplaner mit detaillierten Streckenbeschreibungen sowie Übersichts- und Detailkarten vom Start- und Zielpunkt. Die berechnete Strecke und die Karten lassen sich ausdrucken. Ein Klick weiter und man sucht sich für die erste Übernachtung der zweitägigen Tour in den Süden noch ein Restaurant und Hotelbett aus. Der zum Unternehmen zählende Varta-Guide ist über wap.varta-guide.de sogar per Wap-Handy abrufbar.

Eine gute Auswahl an Links zum Thema Reise sowie Online-Routenplaner für Deutschland und Europa findet man über www.reiseplanung.de. Hinter dem Angebot steckt die Map&Guide GmbH und die PTV AG, beides große Namen in Sachen Routenplanung und digitales Kartenmaterial.

Besonders für Frankreich-Reisende lohnt sich darüber hinaus ein Besuch von www.mappy.de . Mappy wurde bereits 1987 ins Leben gerufen und ist eine Tochtergesellschaft von France Telecom. Ursprünglich für den französischen Bildschirmtext Minitel entwickelt, kann man sich heute für 18 europäische Länder Fahrtrouten berechnen und Karten anzeigen lassen. Hinzu kommen typische Touristen-Informationen, Ausgeh-Tipps und ein Wetter-Dienst. Auch die Online-Reservierung von Hotelzimmern ist möglich. Das Ganze lässt sich nicht nur ausdrucken, sondern auch gleich auf einen Mini-Computer von Palm speichern.

Vor der Abfahrt sollte man noch kurz beim Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen vorbeischauen. Auf der Seite www.baunetz.de/bmvbw/verkehr/bab/index.htm können sich Autofahrer nämlich schon vor der Reise über alle Baustellen auf den bundesdeutschen Autobahnen, die länger als acht Tage dauern, informieren. Man erhält Hinweise über den genauen Ort, die Fahrtrichtung und die Dauer der Beeinträchtigung. Zu dem Service gehört auch die genaue Angabe von Vollsperrungen. Wichtig für die Planung der Reiseroute: Alle Daten werden wöchentlich aktualisiert.

Sparen kann man sich den Besuch dieser Seite nur, wenn man zur Routenplanung einen digitalen Fahrtenleser wie den "Großen Reiseplaner" von Marco Polo verwendet. Die CD-ROM kostet fast 50 Mark, doch für das Geld lädt sich das Programm jeweils die aktuellen ADAC-Verkehrsdaten aus dem Internet. Neben der reinen Streckenfestlegung können auch Restaurants und Tankstellen abgefragt und interessante Sehenswürdigkeiten angezeigt werden.

Einen profunden Reiseführer wie den Baedeker ersetzt das Programm dabei freilich nicht. Die gesammelten Informationen können entweder ausgedruckt oder über ein Zusatzprogramm auf einen digitalen Assistenten wie den Palm oder einen Pocket PC geladen werden.

Noch besser mit GPS

So ausgestattet ist man für die Fahrt zwar gerüstet, ein Nachteil der PC-Routenplaner liegt jedoch darin, dass man, sobald die Reise angetreten ist, den eingeschlagenen Weg nicht mehr korrigieren kann. Zumindest für Technikfreaks gibt es hier eine Lösung. Der Reiseplaner von Marco Polo kann ebenso wie das etwa doppelt so teure "AutoRoute Express 2001" von Microsoft über Notebook und GPS-Empfänger (GPS = Global Positioning System) Alternativen zur geplanten Route berechnen.

Dabei ermittelt das Programm - über ein kleines Kästchen auf dem Autodach - jederzeit den exakten Aufenthaltsort des Wagens. Die erforderlichen Navigationsdaten erhält es von einem System aus 24 Satelliten, die ständig die Erde umkreisen. Freilich kosten diese Geräte schon ohne Software etwa 500 Mark - und wer hat schon ein Notebook im Auto? Dem Autor wurde jedenfalls das Mitführen jedweder Hightech-Geräte auf der diesjährigen Provence-Reise untersagt.

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