Zeitung Heute : Rücktrittsforderung: Kutschma sucht Hilfe bei Putin

Vor dem Hintergrund massiver Rücktrittsforderungen hat der ukrainische Präsident Leonid Kutschma am Montag Rückendeckung beim russischen Präsidenten Wladimir Putin gesucht. Die beiden Staatschefs unterzeichneten nach einem Treffen in Dnjepropetrowsk im Westen der Ukraine 13 Wirtschaftsabkommen. Sie vereinbarten eine engere Zusammenarbeit im Energiesektor sowie in der Luft- und Raumfahrttechnik. Während Beobachter den Besuch Putins als Zeichen der Unterstützung für den innenpolitisch unter Druck stehenden Kutschma werteten, schrieben russische Medien, der ukrainische Staatschef Kutschma mache sich mit den Abkommen von Moskau abhängig.

"Die Wiederherstellung unserer wirtschaftlichen Kontakte nach dem Untergang der Sowjetunion ist Schwerpunkt unserer Politik", sagte Putin nach dem Treffen. Die Gespräche hätten einen "pragmatischen, wirtschaftlichen und sehr technischen" Charakter gehabt, sagte ein Kreml-Sprecher. In der Juschmasch-Fabrik, die zu Sowjetzeiten zu den weltweit größten Raketenfabriken zählte, werden Satelliten, Trägerraketen für die Raumfahrt und Busse hergestellt. Kutschma gerät zunehmend unter Druck. Ihm wird vorgeworfen, in den Mord an einem oppositionellen Journalisten verwickelt zu sein. Der 31-jährige Georgi Gongadse, der die Internet-Zeitung "Ukrainska prawda" gründete, war im September in Kiew verschwunden, später wurde seine enthauptete und verbrannte Leiche gefunden. Am Sonntag hatten Tausende Demonstranten in Kiew Kutschmas Rücktritt gefordert.

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