Zeitung Heute : Ruheständler als Berater

Der Verein „Alt hilft Jung“

Matilda Jordanova-Duda

Die Wirtschaftssenioren der Bundesarbeitsgemeinschaft „Alt hilft Jung e.V." helfen Existenzgründern. Einer der aus dem Berufsleben ausgeschiedene Juristen, Ingenieure, Manager und Selbständigen ist Klaus Stoll, zweiter Vorsitzender des Bonner Verbandes, dem 15 regionale Organisationen angeschlossen sind und der bislang etwa 34 000 Einsätze hatte. Auf Stolls Schreibtisch türmen sich die Anfragen: Da ist ein selbstständiger Heizungsingenieur, der um Auskunft über Fördermittel bittet. Oder vier Münchner Architekten, die ihren Büros einen gemeinsamen Vertriebshut aufsetzen wollen, fragen: Wie ist sowas zu organisieren?

Mancher Existenzgründer findet es schade, dass Leute mit 50 bis 60 Jahren mitsamt ihrem Know-how in den Ruhestand befördert werden. Zwar heißt das noch lange nicht, dass er Ältere einstellen würde. Aber die Erfahrung der weisen Ehrenamtlichen sind gerne gesehen – zumal sich Gründer selten das Honorar für einen kommerziellen Unternehmensberater leisten können.

Gefragt sind vor allem Berater mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Seltener werden Gutachter für Produkte oder Dienstleistungen benötigt. Die Senioren sind für das Grundsätzliche zuständig, bei Detailfragen verweisen sie auf die Spezialisten. Zum Beispiel kann ein ehemaliger Banker erklären, wie eine saubere Finanzierung auszusehen hat, wie man eine langfristige Strategie erarbeitet und ihre Umsetzung Schritt für Schritt verfolgt. Mit den neuesten Finanzprodukten und Förderprogrammen muss er sich nicht auskennen. Aber für Anfragen aus der New Economy ist „Alt hilft Jung“ durchaus gerüstet: Unter den 600 Wirtschaftssenioren finden sich ehemalige IBM- oder Siemens-Mitarbeiter. Schwierig wird es erst, wenn Marketing-Ideen für die Einführung einer neuen Software gebraucht wird. Stoll: „Da müssen wir lange nach einem Berater suchen“. Die Einsätze der ergrauten Helfer dauern meist ein paar Stunden oder Tage, manchmal auch länger. Die Ruheständler verlangen kein Geld, der Ratsuchende bezahlt nur Reisekosten und eine kleine Abwicklungspauschale. Altersgrenzen nach oben gibt es nicht ( www.althilftjung.de ).

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