Zeitung Heute : Rund um den Bahnhof entstehen Neubauten mit Gewerbe-, Büro- und Wohnflächen

Harald Olkus

Auch ohne die umstrittene Verlängerung der U-Bahnlinie 5 vom Alex zum Lehrter Bahnhof, dessen Bau die Geschäftswelt in Mitte auf die Barrikaden treibt, gibt es in der nördlichen Friedrichstraße eine ganze Reihe von Baustellen. Gleich neben den Gleisen des Bahnhofs Friedrichstraße und dem Hochhaus des Internationalen Handelszentrums (IHZ) gähnt schon die Baugrube des "Neuen IHZ". Die Wohnungsbau und Investitionsgesellschaft Berlin-Mitte mbH (WBMI) errichtet dort zwei Schwesternbauten des IHZ. Die WBMI ist eine Tochtergesellschaft der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), die neben 70 000 Wohnungen auch 500 000 Quadratmeter Gewerbeflächen in Berlin besitzt.

Nicht ganz so hoch wie das weiß gerahmte IHZ - mit 35 Metern aber immer noch deutlich über der Berliner Traufhöhe - soll in den beiden Gebäuden konzeptionell das fortgeführt werden, was in der Friedrichstraße südlich des Lindenboulevards bereits praktiziert wird: In den unteren Geschossen entstehen Ladenflächen, darüber Büros und unter dem Dach Eigentumswohnungen. Bis Ende 2001 sollen auf einer Nutzfläche von knapp 23 000 Quadratmetern etwa 4300 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, rund 8100 Quadratmeter Büros, etwa 1500 Quadratmeter Wohnungen und eine Tiefgarage mit 150 Stellplätzen gebaut werden.

Für das Gebäude nahe den Gleisen steht bereits ein Mieter fest: Die italienische Hotelkette "Jolly" hat fast das komplette Haus gemietet und will dort auf mehr als 7800 Quadratmetern ein Vier-Sterne-Hotel eröffnen. "Die frühe Zusage hat den Vorteil, dass wir das Gebäude nun zusammen mit dem Hotelbetreiber planen können", sagt WBM-Pressesprecherin Birgit Stötzer. Derzeit verhandelt die WBM mit einem nicht näher genannten Automobilhersteller über die Anmietung einer weiteren Großfläche. Der Zwischenraum zwischen den beiden Zwillingsbauten und dem IHZ-Hochhaus soll ebenfalls genutzt werden. Er wird von einem Glasdach überspannt, unter dem in künstlicher Landschaft mit Wasserlauf und Bäumen Cafés und Konferenzräume geplant sind. Derzeit sind die Bauarbeiter noch mit dem Abriss der alten Tiefgarage in der Baugrube beschäftigt, bis Mitte des Jahres soll mit dem Rohbau begonnen werden.

Überarbeitetes Konzept

"Für uns war immer wichtig, was auf dem Grundstück gegenüber entsteht", sagt Birgit Stötzer. Dort will die "Züblin Projektentwicklung" im April mit dem Bau des Friedrich-Carrés beginnen. Laut Bauschild müssten die Arbeiten bereits im Gange sein, doch Züblin hat die Planung für den 400 Millionen Mark teuren Gebäudekomplex noch einmal überarbeitet. Statt der ursprünglich vorgesehenen neun Einzelhäuser sollen jetzt sieben gebaut werden, jedoch ohne maßgeblicher Änderung der Geschossflächenzahl. Lediglich das Nutzungsverhältnis verschiebt sich etwas. Der Büroflächenanteil wurde auf 31 700 Quadratmeter erweitert und die Ladenflächen geringfügig auf 5600 Quadratmeter reduziert. Im Gebäudeteil an der Dorotheenstraße entstehen etwa 8000 Quadratmeter Wohnungen. Laut Projektentwickler Peter Koslowski hat sich Züblin noch nicht festgelegt, ob es Miet- oder Eigentumswohnungen werden sollen.

Auf der anderen Seite der Gleise, zwischen dem zur Zeit in Renovierung befindlichen Metropol-Theater und der Spree, baut die Hanseatica HPE Immobilien das so genannte Verbändehaus und ein benachbartes Wohnhaus. Im 9500 Quadratmeter großen Verbändehaus werden ab Mai oder Juni dieses Jahres zehn Handelsverbände mit 150 Mitarbeitern einziehen können. Diese haben ihre Büroflächen und anteilige Gemeinschaftsflächen von der Kantine bis zum Konferenzraum als Eigentum erworben. "Das ist vor allem für kleinere Verbände interessant, die sich ein solches Gebäude in dieser Lage einzeln nicht leisten können", sagt HPE-Geschäftsführer Walter Rasch. "Und es hat sich ein weiterer Vorteil ergeben: Durch die ständige Kooperation während der Bauzeit haben sich bereits Synergien zwischen den Verbänden entwickelt."

Jenseits der Spree, an der Ecke Friedrichstraße / Schiffbauer Damm, befindet sich seit dem Abriss des Hotel Adria im November vergangenen Jahres eine Leerfläche, die in Kürze wieder bebaut werden soll. "Wir haben die Grundstücke am Schiffbauer Damm Ecke Friedrichstraße und Am Zirkus erworben und sind dabei, das gesamte Areal zu planen", sagt Heinz H. Meermann, Geschäftsführer der Regional-Hausbau. "Wir wollen auf den alten Flurstücken fünf verschiedene Objekte mit einer gemeinsamen Tiefgarage errichten."

Auf insgesamt 20 000 Quadratmetern sollen 80 Prozent Gewerbeflächen und 20 Prozent Wohnungen entstehen. "Näheres steht noch nicht fest, wir befinden uns noch in Abstimmung mit dem Bezirk", sagt Meermann. Die Gestaltung der Gebäude werde sich voraussichtlich an der Fassade des abgerissenen Hotel Adria orientieren. Die Regional-Hausbau besitzt noch weitere Objekte in der Friedrich-Wilhelm-Stadt. Das stuckverzierte Gebäude Am Zirkus sei restauriert und gerade bezugsfertig geworden, sagt Meermann. Ein weiteres denkmalgeschütztes Haus in der Reinhardstraße wird derzeit noch saniert. Ebenfalls vor kurzem fertig wurde das Prinz-Albrecht Karree in der Albrechtstraße. Der Neubau mit einer Gesamtnutzfläche von rund 14 000 Quadratmetern besteht jeweils zur Hälfte aus Wohnungen und Gewerbeflächen. Einen Teil der Büros konnte Meermann an die OECD, eine Krankenkasse und den TÜV vermieten.

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