Zeitung Heute : Russland dreht das Gas ab Osteuropäische Staaten

haben bereits Engpässe. Die Versorgung in Deutschland ist aber gesichert

Kevin Hoffmann,Barbara Junge
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Berlin - Mitten im Winter kommt in vielen europäischen Ländern kein russisches Gas mehr an. Der russische Konzern Gasprom hat am Dienstag seine Lieferungen, die durch die Ukraine transportiert werden, drastisch reduziert. Zugleich wirft die russische Seite der Ukraine vor, Gas aus den Lieferungen nach Westeuropa abzuzweigen. Wegen gescheiterter Verhandlungen liefert Gasprom seit 1. Januar kein Gas mehr an die Ukraine. Betroffen sind unter anderem Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Griechenland, Mazedonien und die Türkei. Andere Staaten wie Österreich, Tschechien, die Slowakei, Polen und Rumänien erhielten geringere Mengen. Die Slowakei rief den Notstand aus. Bei klirrender Kälte geht jetzt in weiten Teilen Europas Angst vor Versorgungsengpässen um.

Deutschland ist auch betroffen, vorerst werden aber keine Schwierigkeiten erwartet. Der größte deutsche Gasimporteur Eon-Ruhrgas erklärte, die Versorgung der Kunden sei noch gesichert. Bei anhaltender Kälte und Lieferstopp könne es aber auch hier eng werden. Nach Eon-Angaben wurden die Lieferungen nach Deutschland bereits am Dienstagmorgen drastisch eingeschränkt. Im Laufe des Tages erwartete der Konzern sogar einen Totalausfall der bislang an die deutsche Grenzlieferstation Waidhaus gepumpten Gaslieferungen. Russland deckt 37 Prozent des deutschen Bedarfs, rund 80 Prozent davon laufen über die Ukraine.

Deutsche Verbraucher müssten nicht befürchten, dass es zu Engpässen kommt, sagte der Sprecher von Gasprom Germania, Burkhard Woelki, dem Tagesspiegel. Auch der größte Berliner Versorger Gasag rechnet nicht damit, dass es zu Engpässen kommt. „Unsere sechs Lieferanten beziehen ihr Gas ja nicht nur aus Russland. Die sind breit aufgestellt“, sagte Gasag-Sprecher Klaus Haschker.

Die EU protestierte scharf. Der Lieferstopp sei „völlig inakzeptabel“, kritisierten die Kommission und der tschechische EU-Vorsitz. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte am Abend nach einem Treffen mit dem Gasprom-Vizechef Alexander Medwedew in Berlin, dieser habe ihm zugesichert, das Gas nach Deutschland über andere Leitungen außerhalb der Ukraine zu transportieren. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin kommt am Freitag kommender Woche nach Berlin. Geplant ist unter anderem ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wie die Nachrichtenagentur AFP aus Regierungskreisen in Berlin erfuhr. Der Chef des ukrainischen Gasunternehmens Naftogas kündigte derweil an, er werde am Donnerstag zu Gesprächen mit Gasprom nach Moskau reisen. mit dpa/AFP

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