Zeitung Heute : Sanssouci nicht ohne Sorgen

Weniger Besucher - und der Schlösserdirektor warnt vor Mißachtung der UNESCO Potsdam (thm).Der Generaldirektor der Stiftung Schlösser und Gärten, Hans-Joachim Giersberg, hat die Potsdamer Stadtverwaltung aufgefordert, mehrere Großprojekte umzuplanen.Sonst drohe der Stadt ein Ansehensverlust, weil die UNESCO die Potsdamer Kulturlandschaft auf die Rote Liste gefährdeten Weltkulturerbes setzen werde."Für die Stadt Potsdam als europäische Kulturstadt wäre dies eine Schande", sagte Giersberg am Donnerstag im Potsdamer Schloß Lindstedt.Er hoffe, daß die von der UNESCO vor kurzem gefordeten Neuplanungen für das Potsdam-Center, den Havelausbau und andere Bauprojekte bis April 1997 umgesetzt würden. Auf der 96er Bilanzpressekonferenz der Stiftung erinnerte Giersberg daran, daß Potsdam ohne diese Kehrtwende automatisch auf die Rote Liste gesetzt werde - ohne eine erneute UNESCO-Tagung."Ich hoffe, daß die Vernunft siegt." Zugleich wies Giersberg darauf hin, daß die Diskussion zu sehr auf das Potsdam-Center verengt werde.So seien die Befürchtungen zum Havelausbau und andere Projekte nicht ausgeräumt.Die UNESCO hatte in ihrem Auflagen-Dokument auch gegen eine Reihe von Bauprojekten im näheren Umfeld von Sanssouci und anderer Schloßparks erhebliche Bedenken angemeldet."Die Frage ist immer: Wie geht man mit Welterbe um", sagte Giersberg."Es geht nicht um Stadtteilpolitik." Die seit 1995 wieder vereinigte Stiftung Preußische Schlösser und Gärten von Berlin und Brandenburg ist Hausherr von 150 Schlössern und mehr als 700 Hektar Parkanlagen.In diesem Jahr haben insgesamt 2,06 Millionen Sanssouci und die anderen 21 Schloßmuseen in Brandenburg und Berlin besucht - 40.000 Gäste weniger als im Vorjahr.Wichtigster Anziehungspunkt bleibt mit 342.000 Besuchern weiterhin Schloß Sanssouci.Giersberg führte den Besucherrückgang vor allem darauf zurück, daß aus Personalmangel zeitweise das Neue Palais nur für geführte Gruppen geöffnet werden konnte.1997 werde das Neue Palais von Mai bis Oktober wieder für Einzelbesucher zugänglich sein. Der Gesamthaushalt der Stiftung, deren Gesellschafter Brandenburg, Berlin und derBund sind, soll laut Giersberg wie 1996 wieder 75 Millionen Mark umfassen.Kürzungen seien allerdings nicht ausgeschlossen.17 Millionen Mark will die Stiftung selbst erwirtschaften.So werden zum Jahresbeginn die Eintrittspreise erhöht, im Schloß Sanssouci auf zehn Mark, in den anderen Schlössern gestaffelt um vier bis acht Mark. Als "eklatant" bezeichnete Giersberg den Personalmangel der Stiftung, die 1997 den 70.Gründungstag der Preußischen Schlösserverwaltung feiern wird.Mit der Wiedereröffnung weiterer Schlösser - darunter Caputh, geplant für 1998, und dem Marmorpalais, das 1997 zum Teil eröffnet werden soll, werde sich das Problem zuspitzen, da dort Aufsichtspersonal eingesetzt werden müsse. Für das kommende Jahr kündigte Giersberg an, daß das Restaurierungsprogramm mit 25 Millionen Mark etwa in der gleichen Größenordnung wie 1996 fortgesetzt werde.Mit vier Millionen Mark bilde das Marmorpalais im Neuen Garten einen Schwerpunkt.Nach jahrelanger Restaurierung soll es im Juli mit einer Ausstellung über den preußischen König Friedrich Wilhelm II.teilwiese wieder eröffnet werden.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar