'Sarko' und Bruni : Szenen keiner Ehe

Die Liaison von Nicolas Sarkozy und Carla Bruni verändert schon jetzt Frankreichs politische Kultur. Der Wusel und die Sängerin – manche sagen: Es könnte wieder eine Revolution geben.

Sarkozy Bruni
Sorgen sie für eine neue Revolution in Frankreich? Die Sängerin Carla Bruni und der Präsident Nicolas Sarkozy. -Foto: AFP

François Fillon macht sich Sorgen um seinen Boss. „Er kichert wegen nichts und wieder nichts, erzählt Witze und macht anzügliche Sprüche“, soll Frankreichs Premierminister am ersten Arbeitstag des Jahres 2008 seinen Beratern im Regierungspalast über Nicolas Sarkozy gesagt haben. Der Präsident sei zerstreut, habe Termine abgesagt und sei in Gedanken. „Ich frage mich, wie diese Geschichte enden wird.“ Er ist nicht der Einzige.

In Frankreich vergeht kein Tag ohne neue Gerüchte über die Beziehung zwischen Sarkozy und Carla Bruni, zwischen dem mächtigsten Mann Frankreichs und der Sängerin, zwischen dem 52 Jahre alten Wusel und dem 39 Jahre alten Ex-Model. „Heute heiraten sie!“, behaupten seit Mitte der Woche regelmäßig vermeintlich Eingeweihte. In Internet-Blogs wird bereits über eine angebliche Schwangerschaft Brunis getratscht. Jemand will sie bei einer Untersuchung in einer Klinik von Neuilly gesehen haben. Die dazu befragten Mediziner bestätigen weder etwas, noch dementieren sie.

Nicolas Sarkozys Mitarbeiter sind in Alarmbereitschaft. Denn der Chef ist ausgesprochen schlechter Laune. Während seiner heute beginnenden Reise nach Saudi-Arabien, Katar und Abu-Dhabi muss er drei Tage lang auf seine Carla verzichten. Das saudische Königshaus hat seine Verlobte in einer offiziellen Mitteilung zur unerwünschten Person erklärt – aus Rücksicht auf die religiöse Moral.

Solche Bedenken hatten Ägypter und Jordanier offenbar nicht. Sie haben Sarkozy und Bruni an Weihnachten und zum Jahresbeginn für einige Urlaubstage wie ein Königspaar aus einem Märchen empfangen. Bei der Ankunft in Luxor schienen beide zunächst Distanz zu den Medien signalisieren zu wollen, kleideten sich in Schwarz und verdeckten die Gesichter hinter blickdichten Sonnenbrillen.

Natürlich wurden sie erwartet. Nicht weniger als 16 Mercedes-Limousinen waren nötig, um den mitreisenden Sarkozy-Clan ins Hotel zu eskortieren, wo für die Liebenden eine Luxus-Suite hergerichtet worden war. Als Sarkozy und Bruni das Hotel wieder verließen, war es mit der Zurückhaltung vorbei. Das Paar ließ sich nicht nur bereitwillig von der unersättlichen Schar der Pressefotografen ablichten, sondern posierte selbst für Privatfotos mit Touristen. Es folgten: Nicolas und Carla beim Spaziergang, Händchen haltend wie verliebte Teenager, sie im nabelfreien Shirt, er in Jeans und mit gelockertem Hemdkragen. Dann eine Felukenfahrt auf dem Nil, die ein Bild hervorbrachte, das inzwischen eine ganze Seite des Magazins „Paris Match“ ziert: Sarkozy blickt in die Ferne, Bruni legt zärtlich den Kopf an seine Schulter. Es ist ein Motiv, das die Fotografen auf der Reise noch häufiger geboten bekommen – bei den Pyramiden im Tal der Könige, in Scharm-el-Scheich und später in Petra in Jordanien.

Als stünde es im Bann einer guten Fernsehserie, kommt Frankreich nicht vom Bildschirm weg. Die amerikanische Erfolgsserie „The West Wing“ hat das Weiße Haus zum Schauplatz. Die Rolle des US-Präsidenten übernimmt darin ein Schauspieler. In Frankreich spielt Nicolas Sarkozy seine Hauptrolle selbst. Und er schreibt das Drehbuch, übernimmt die Montage und dazu gleich noch die PR. Der Höhepunkt seiner Seifenoper, das hat er den Ungeduldigen bereits verraten, wird eine Hochzeit sein: „Zwischen uns ist es was Ernstes.“

Für die Zeit nach der Hochzeit zirkuliert in Paris bereits ein Witz: Bei der Hebamme sagt der stets pressierte Präsident einen Satz, den er auch in seinen Reden oft verwendet: „Es ist dringlich“. Die Antwort der Hebamme: „Auch für Sie, Monsieur le Président, gilt die Frist von neun Monaten.“

Doch nicht alle finden die neue Liaison des Präsidenten nur lustig. Erste Kritiker warnen, Sarkozy könnte seinen Job vernachlässigen. Mittlerweile soll Bruni ja sogar zu Sarkozy ins Elysée gezogen sein, wo man ihr ein eigenes Musikzimmer eingerichtet habe. Viele bangen, wie lange der Staatschef sein Turbo-Tempo durchhalten kann. „Wenn der so weitermacht, wird er noch explodieren“, hört man in den Cafés die Leute sagen. An ein Happyend glauben die wenigsten. Sie befürchten Schaden für das Land, wenn sich der Präsident, der alles persönlich kontrolliert, übernimmt. Die schlimmsten Pessimisten prophezeien gar ein tragisches Ende à la Kennedy – oder eine neue Revolution. Denn eine Amtsenthebung des für fünf Jahre gewählten Präsidenten ist in der französischen Verfassung nicht vorgesehen. Und so kann selbst ein Politiker, der lediglich mit seiner Geliebten turtelt, nicht ohne Gewalt abgesetzt werden.

An Dramatik mangelt es in Sarkozys Geschichte schon bisher nicht. So verdankt er seinen Wahlsieg nicht zuletzt seiner Frau Cécilia, mit der er 20 Jahre verheiratet war. Sie hatte zu ihm gehalten, hatte seine Mitarbeiter ausgewählt bis hin zu Regierungsmitgliedern wie Justizministerin Rachida Dati und den engsten Beratern im Elysée-Palast. Doch bald nach der Wahl wollte und konnte sie nicht mehr. Es heißt, die Art und Weise, wie Sarkozy ihr persönliches Engagement für die Befreiung der bulgarischen Krankenschwestern aus dem Kerker von Tripolis unter den Teppich kehrte und ihr verbot, öffentlich darüber zu sprechen, sei zu viel gewesen. Und so wurde trotz zahlreicher Vertuschungsversuche die ganze Nation Zeuge, als Cécilia die Scheidung durchsetzte.

Nicht bekannt wurde zunächst, wie schwer die Trennung auch Nicolas Sarkozys Gesundheit mitgenommen haben muss. Nach der Scheidung erkrankte er an einer schweren Angina und musste sich am Ende mit einem Abszess im Rachen operieren lassen. Dies freilich war bis vor drei Tagen ein Geheimnis. Sarkozy, der totale Transparenz versprochen hatte, wenn es um seine Gesundheit geht, hat in den Augen vieler Franzosen sein Wort gebrochen.

Das Vakuum an seiner Seite blieb bis zum 23. November 2007 bestehen. Bruni und Sarkozy trafen sich dank des Internets: bei einem Anlass im Elysée, an dem Sarkozy Musiker und Produzenten zum Thema Internet-Raubkopien empfing. Der Präsident, so sagen Beobachter nun, hörte kaum zu, sondern betrachtete nur diese hochgewachsene, blasse Brünette, die verführerisch zurückblickte. Er arrangierte ein Treffen bei einem gemeinsamen Freund, einem bekannten Werbeunternehmer. Seither, so heißt es, sind sie ein Paar. Sarkozy hatte zuvor schon andere Affären gehabt, doch nun sollten es alle wissen: Mit Carla, ihrer Mutter und ihrem Sohn besuchte er vor aller Augen den Eurodisney-Park bei Paris. So erfuhr es die Welt.

Carla Bruni, 39, gleicht nicht nur in vieler Hinsicht ihrer 50 Jahre alten Vorgängerin Cécilia, die früher ebenfalls bei Modeschauen als Model auftrat. Auch für Sarkozy scheinen beide Frauen eine ähnliche Bedeutung zu haben: Zumindest schenkte er Carla das gleiche Modell eines Dior-Rings mit einem Diamanten in Herzform, wie ihn bereits Cécilia am Finger trug. Carla wiederum schenkte ihm eine teure, schlichte Uhr, die seine protzige Rolex ersetzen soll.

Für viele mutet es wie eine heimliche Revanche an, dass Sarkozys zweite Urlaubsreise ausgerechnet in die jordanische Höhlenstadt Petra führte. Dort hatte sich Cécilia 2005 mit ihrem damaligen Liebhaber gezeigt. An diesem symbolischen Ort spielte Sarkozy, der Carlas sechsjährigen Sohn auf den Schultern herumtrug, vor den Kameras bereitwillig den Stiefvater. Carla wiederum schlüpfte in die Rolle einer zukünftigen First Lady, indem sie bei der Besichtigung einer Werkstatt für Souvenirs als Zeichen der diplomatischen Verbundenheit ein jordanisches Fähnchen schwenkte und neben ihrem Geliebten beim Gastgeber König Abdallah II. einen guten Eindruck machte.

Doch will Bruni, die sich noch im vergangenen Frühjahr in einem Interview über die „langweilige Monogamie“ lustig machte, wirklich Madame Sarkozy werden? Viele können oder wollen das nicht glauben. Inzwischen ziehen Medien zur Ausdeutung von Brunis Psyche auch Liedtexte heran. In einem Song mit dem Titel „L’Excessive“ etwa singt sie: „Ich bin exzessiv, ich mag es, wenn alles aus den Fugen gerät, und alles maßlos wird. Ich aber bleibe entspannt. Dafür gibt’s kein Pardon.“ Auf der Liste von Brunis ehemaligen Liebhabern stehen Namen wie Mick Jagger, Eric Clapton, Kevin Costner, Donald Trump, Vincent Perez und Arno Klarsfeld. Treu, so sagte Bruni in einem Interview einmal, sei sie nur sich selber.

Bei seinem Amtsantritt hatte Nicolas Sarkozy den Wählern einen Bruch mit Tabus und Konventionen versprochen. In diesem Punkt zumindest hat er Wort gehalten. Die traditionellen Trennlinien zwischen Politik und Privatleben, zwischen Staats- und Sexaffären, Klatsch und Kommentaren sind in Frankreich nun gefallen. Im Elysée wohnt heute ein Jetsetter mit Starallüren. Sarkozys Vorgänger François Mitterrand und Jacques Chirac wirken daneben schon heute wie graue Herren aus einer längst vergangenen Zeit. Ob das allerdings die Moderne ist, an die der neue Staatschef sein Land anpassen wollte, daran mögen inzwischen einige zweifeln.

Möglich ist aber auch, dass Sarkozy die Spekulationen um seine neue Liebe gar nicht unwillkommen sind. Denn in dieser Woche sind gleich drei Bücher mit angeblichen Enthüllungen erschienen. Vor allem das Buch „Cécilia“ von Anna Bitton, einer langjährigen Bekannten, liest sich wie eine bittere Abrechnung. Darin zitiert die Autorin die Ex-Frau Sarkozys: Er sei ein „Geizhals“ und „Schürzenjäger“, der nur sich selber liebe und niemanden sonst, „nicht einmal seine eigenen Kinder“ – und der im Übrigen „ein Problem habe, sich aufzuführen“.

Von diesen Zitaten hat sich Cécilia inzwischen distanziert. Sie versuchte vergeblich, den Verkauf des Buchs gerichtlich verbieten zu lassen. In Wirklichkeit hat sie wohl immer noch einen enormen Einfluss auf Sarkozy, der ihren Ratschlägen, ihrer fast mütterlichen Sorge und Förderung viel verdankt. Yves Derai, einer der Autoren des Cécilia-Buches „Ruptures“, und ein Vertrauter der Ex-Präsidentengattin schließt sogar nicht aus, dass die beiden in der einen oder anderen Form schon bald wieder zusammenfinden könnten.

Carla Bruni jedenfalls singt in ihrem Chanson „L’Amour“: „Liebe, die ist nichts wert … sie spielt mit dir, sie kommt verhüllt, wie ein Verschwörer im Samtgewand, das verletzt mich oder lässt mich kalt, je nachdem.“

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