Zeitung Heute : Schäuble wird wohl neuer CDU-Vorsitzender werden

ROBERT BIRNBAUM

BONN .In der CDU steht nach der dramatischen Niederlage Helmut Kohls genau der Führungswechsel an, der nach Meinung vieler in der Partei schon vor Jahren fällig gewesen wäre.Eigentlich war der Parteitag, bei dem die gesamte CDU-Spitze neu gewählt werden sollte, erst für Ende November geplant.Aber unter dem Druck der Ereignisse, so heißt es in der Parteispitze, müsse der Kongreß vorgezogen werden: Vier Wochen beträgt die satzungsgemäße Einladefrist, in vier Wochen also werden die 1001 Delegierten den Nachfolger Kohls wählen.Der Name steht schon fest, Kohl hat ihn selbst benannt, auch wenn er sich die Amtsübergabe anders vorgestellt hat: Wolfgang Schäuble wird neuer Vorsitzender der CDU.An seiner Wahl bestehen kaum Zweifel: Nur Schäuble, heißt es in der Partei, könne die nach der dramatischen Niederlage tief verunsicherte Partei zusammenhalten.Ein Scherbengericht über die gesamte Führung, wie es mancher für den Fall einer schweren Niederlage erwartet hatte, werde kaum stattfinden.Denn es gebe personell keine Alternative.

Wenn sich die Hochrechnungen vom Wahlabend bestätigen und die künftige Regierung von SPD und Grünen gestellt wird, behält Schäuble vorerst auch den Fraktionsvorsitz.Nur für den Fall, daß das Endergebnis für die SPD doch noch eine Große Koalition als ernsthafte Alternative zu Rot-Grün erscheinen läßt, gilt in der CDU eine Arbeitsteilung als denkbar, bei der der bisherige Verteidigungsminister Volker Rühe den Fraktionsvorsitz übernehmen würde.Daß die vor der Wahl beschworene Einigkeit zwischen Schäuble und Rühe nicht nur eine Tartarenmeldung war, wurde am Wahlabend deutlich: Wie siamesische Zwillinge tauchten die beiden zukünftigen starken Männer einer geschwächten CDU in den obligatorischen Fernsehinterviews gemeinsam auf."Der Rühe hat sich an den Schäuble drangehängt", kommentiert ein mißgünstiger CDU-Funktionär die demonstrative Gemeinsamkeit.

Als sicher gilt, daß Kohls Generalsekretär Peter Hintze sein Amt verliert: Zwar steht er formal nicht zur Wiederwahl an, doch es ist unstrittig, daß ein neuer Vorsitzender auch einen neuen Generalsekretär seines Vertrauens benennen wird; zumal Schäuble und Hintze höchst konträre Ideen vom Wahlkampf hatten.In der CDU wird ein Signal der Erneuerung erwartet: Schäubles Freund Hans-Peter Repnik käme ebenso in Frage wie einer der "Jungen Wilden" aus Bonn oder auch einer, der bisher in der Bundespolitik nicht aktiv war, wie etwa Christian Wulff aus Niedersachsen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar