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Iriserkennung, Gesichtsscan, Fingerprints – langsam zeichnet sich ab, was künftig alles auf dem Personalausweis gespeichert werden soll

Ulrike Heitmüller

Biometrische Merkmale werden in Pässe und Personalausweise aufgenommen, soviel ist klar, seit das Terrorismusbekämpfungsgesetz gilt. Doch jetzt wird es ernst: Der Gesetzgeber will entscheiden, welche Merkmale es sein sollen. Aber wer trifft diese Entscheidung? Und nach welchen Kriterien? Heikle Fragen, denn manches deutet darauf hin, dass die Entscheidung weniger von hiesigen Prüfungsergebnissen als von internationalem Druck abhängen wird, und dass andere Staaten Gründe für ihre Entscheidungen haben, die hiesigen Datenschützern gegen den Strich gehen dürften. Denn: Die Informationen in den Personaldokumenten sollen maschinenlesbar sein, und das heißt automatisch, dass sie in Datenbanken gespeichert, und elektronisch, beispielsweise über das Internet weitergegeben werden können. Im Gesetz steht zwar, dass sie verschlüsselt werden und dass keine bundesweite Kartei eingerichtet wird. Aber solche Vorschriften haben längst nicht alle Staaten.

Welche Merkmale wie genutzt werden, soll hierzulande per Bundesgesetz geregelt werden, und zwar bald: „Es wird angestrebt, dass die erste Vorlage für dies Bundesgesetz bis Mitte nächsten Jahres vorliegt“, sagt Ingrid Stumm, stellvertretende Pressesprecherin des Bundesinnenministeriums (BMI). „Und auf europäischer Ebene versucht die EU auf unser Drängen hin biometrische Merkmale bis zum Jahr 2005 in Aufenthaltstitel und Visa aufzunehmen.“

Bis dahin ist noch viel zu tun: „Es müssen die verschiedenen Merkmale auf ihre Eignung geprüft werden, außerdem ist eine internationale Abstimmung erforderlich“, sagt Frau Stumm. „Das BMI hat eine Reihe von Studien in Auftrag gegeben, die im Augenblick noch betreut werden. Es laufen Projekte mit Fingerabdrucksystemen, mit Gesichtsfelderkennung und demnächst mit Iriserkennung.“

Doch die Entscheidung ist offenbar schon gefallen: „Wir beschäftigen uns mit drei Verfahren, nämlich der Gesichtserkennung als ganzem, der Iriserkennung und dem Fingerprint. Unser offizielles Statement lautet: Wir haben keinerlei Favorisierung“, sagt Michael Dickopf, Pressesprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), aber „wir beschäftigen uns am meisten mit der Gesichtserkennung, wegen des internationalen Drucks.“ Eine internationale Abstimmung ist natürlich sinnvoll: Es hat wenig Sinn, im Alleingang Fingerabdrücke durchzusetzen. Die Frage ist aber: Welche Gründe haben die anderen für ihre Entscheidungen?

Aufschluss könnten die Studien anderer Staaten geben, welche die Bundesregierung auswerten lässt. Dies ist der Job des Büros für Technikfolgenabschätzung (TAB). „Wir wollen bis Ende November einen Bericht abschließen“, sagt Thomas Petermann, Projektleiter „Biometrische Identifikationssysteme“ und stellvertretender Leiter des TAB.

Das TAB wertet vor allem amerikanische Tests aus, „die von öffentlichen Einrichtungen getragen werden und einigermaßen anbieterneutral sind“. Einer der neuesten und bekanntesten Tests ist der Face Recognition Vendor Test des National Institute of Standard and Technology (NIST) in den USA. Im Jahre 2002 wurden hier zehn Systeme für die Gesichtserkennung getestet, darunter auch einige deutsche. Eines stammt von Cognitec Systems. Vertriebsleiter Jürgen Pampus ist zufrieden: „Wir haben als Beste abgeschnitten.“ Zwar gibt es noch technische Probleme: „Bei Grenzübergängen ist das noch Zukunftsmusik, man denkt eher an Flughäfen.“ Dort nämlich kann man bessere Aufnahmebedingungen für Fotos schaffen.

Aber die Stärke seines Systems liegt ohnehin woanders: „Das Foto kann man mit einer Datenbank abgleichen.“ Datenschutz ist für ihn kein Problem: „In Deutschland ist das kein Thema, denn hier sind Passbilddatenbanken nicht erlaubt. In vielen anderen Ländern wie den USA, Singapur, China, Hongkong und Australien allerdings schon."

Thomas Zielke war dagegen nicht so glücklich. Er ist der Geschäftsführer der C-Vis Computer Vision and Automation GmbH, deren System auch getestet wurde: „Wir sind im Mittelfeld gelandet. Denn eigentlich konzentrierte sich der ganze Test darauf, in Verbrecherbildkarteien zu suchen, der Schwerpunkt von C-Vis aber ist die Überwachungstechnik. Lifebilder wurden so gut wie gar nicht getestet.“ Gerade die aber wären an vielen Grenzübergängen notwendig.

Das kritisiert auch Thomas Petermann vom TAB: „Bei Flughafenkontrollen in einer Schleuse kam man zu ganz tollen Ergebnissen, aber wenn sie außen eingesetzt werden, ist es mit den Systemen nicht mehr weit her. Wenn man einen hohen Anspruch an die richtige Erkennung hat, dann muss man sagen, dass das so nicht funktioniert."

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