Zeitung Heute : Scheiben schießen

16.08.2002 00:00 UhrVon NAME

BURKHARD SCHRÖDER über Spiele und andere spontane Eingebungen

Bei den legendären Komikern der Monty Python-Truppe (1) gibt es ein „Ministerium für seltsame Gangarten“ (2). Was sich über das normale Maß hinaus bewegt, wirkt oft lustig. John Cleese, dessen verrenkte, lange Beine das Publikum zu Lachstürmen hinrissen, hasste diesen Sketch, weil er immer wieder aufgefordert wurde, ihn zu wiederholen.

Vielleicht rührt die Redensart, aus Spiel könne bitterer Ernst werden, daher, dass manche vom Spiel nicht mehr lassen können. Einer schottischen Kuh kann das egal sein. Sie muss schon tot sein, um beim „Kuh-Beine-Verrenken“ (3) mitspielen zu können.

Viele Spiele sind in Wahrheit todernst, weil sie den Lauf der Welt symbolisieren. Die Spieler müssen lernen, dass die Möglichkeiten zum Erfolg zu kommen, begrenzt sind. Manchmal hilft Intuition weiter – Genies wie Albert Einstein schwörten auf spontane Eingebung (4). Die Universalgelehrten des Mittelalters widmeten sich dem Spiel, um dem Verborgenen in der Welt des Sichtbaren nachzuspüren. Sie suchten dort einen symbolischen Weg jenseits der Logik, um das große Ganze zu entdecken. Damals spielte man in Deutschland keinen Fußball. Aber der Ball rollte in anderer Form. Er war aus Holz. Das Spielfeld war rund wie die Erde, die viele sich als Scheibe dachten.

Ein berühmter Theologe und Philosoph, ein ehemaliger Kölner Jurist, setzte im Hauptberuf die Interessen eines großen Kirchenführers in Deutschland durch. Das hinderte ihn nicht daran, seinem Auftraggeber Ärger zu bereiten. Er wies nach, dass dem eine der größten Städte der damaligen Welt gar nicht zu Recht gehörte. Der Gelehrte erfand ein Spiel, das heute noch jedes Kind kennt. Eine Variante wurde nach der Gegend benannt, in der der Gelehrte später als Bischof residierte. Man denkt unwillkürlich an einen der Lieblingsorte des Agenten 007 (5).

Frage der Woche: Wie lautet der ursprüngliche lateinische dieses Spiels?

Antwort der Vorwoche: Der Erfinder ist Henry Frederick Stanley Morgan, sein Vater war Vikar von Stoke Lacy.

Hinweise im Internet:

(1) bau2.uibk.ac.at/sg/python/monty.html

(2) www.montypythonpages.com/silywalk.htm

(3) www.tuttobene.ch/scotland/de/sports.htm

(4) home.pages.at/glasklar/sources.html

(5) www.jamesbond.de

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