SCHIFFBRUCHDRAMA„All is lost“ : Ozeanische Gefühle

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Foto: Universum/24 Bilder
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Das Rostrot des schicksalhaften Containers wirkt obszön inmitten der weiten, blaugoldenen Fläche. Die Kamera fährt langsam an der Außenseite des Metallquaders entlang, bevor das Segelboot ihn rammt. Mit dem Loch, das der Container in die Seitenwand der Yacht geschlagen hat, beginnt der Überlebenskampf ihres Steuermannes und einzigen Besatzungsmitglieds, der aus unbekannten Gründen auf dem Indischen Ozean unterwegs ist – ganz allein. Es gibt niemanden, mit dem er reden kann, das Funkgerät ist kaputt, es gibt nichts zu sehen außer dem Meer und dem Himmel in verschiedenen Wetterlagen, dem Inneren des leckgeschlagenen Bootes und schließlich einer Rettungsinsel, in die der namenlose Mann sich flüchtet, nachdem ein Sturm sein Boot endgültig zerstört hat.

Der Mann, der am Anfang voller Elan und Sachkenntnis die Bordwand mit Glasfasermatte und Polyesterharz flickt, die vollgelaufene Kajüte mit der Hand leerpumpt, nasse Sachen zum Trocknen aufhängt und sogar ein wenig Körperpflege betreibt, hört nach und nach auf, gegen das unausweichlich Scheinende anzukämpfen, Sonne und Trinkwassermangel setzen ihm zu, dann wieder Kälte, Nässe, Schmerzen und vor allem die Einsamkeit.

„All Is Lost“ ist ein großartiger Film über das Meer, der es ohne romantische Konnotation als unbarmherzige Naturgewalt zeigt. Wie man aus Romanen über die Seefahrt weiß, ist es nicht das Unwetter, das die Seeleute zermürbt, sondern die Flaute bei tagelang gleichmäßig sengender Sonne auf spiegelglatter Wasseroberfläche. Auch der Protagonist in „All Is Lost“ scheint bei schwerer See munterer als bei strahlendem Wetter, fantastische Sonnenuntergänge hat er bald genug gesehen.

Die Tonspur besteht aus dem Schwappen und Plätschern, Gurgeln und Rauschen des Meeres, aus dem Ächzen und Knarren des Bootes, aus dem Grummeln und Tosen des Windes. Auf den Einsatz von Musik hat man weitgehend verzichtet, so wird es auch für das Publikum niemals zu gemütlich.

Robert Redford, dem man trotz einer gewissen restjugendlichen Ausstrahlung seine 77 Jahre deutlich ansieht, spielt einen Mann, der sich vielleicht am Ende seines Lebens noch einmal etwas beweisen wollte. Man macht sich auch gar keine Gedanken über die Motivation der Figur, sondern schaut dem Veteranen der Schauspielkunst, der über 100 Minuten fast in jeder Einstellung zu sehen ist, gebannt zu. Existenziell.Daniela Sannwald

USA 2013, 106 Min., R: J.C. Chandor, D: Robert Redford

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