Zeitung Heute : Schlaganfall: Kindermedizin: Auch die Kleinsten sind betroffen

Jedes Jahr erleiden in der Bundesrepublik rund 200 Kinder aller Altersgruppen einen Schlaganfall, betroffen sind auch Neugeborene. Dies hat eine Studie der Universitätskinderklink in Münster ergeben, die seit 1994 geführt wird. Anders als erwachsene Patienten überleben aber fast alle der jungen Opfer, und sie erholen sich auch sehr viel besser. Die Arbeitsgruppe führt dies darauf zurück, dass ein junges Gehirn eher in der Lage ist, Verluste zu kompensieren.

Die Ursachen für den Schlaganfall unterscheiden sich ebenfalls von denen erwachsener Patienten. Eine der Hauptursachen stellen angeborene Herzfehler dar, bei denen rechte und linke Herzkammer nicht getrennt sind. Bei diesen Defekten werden Gerinnsel, die sich irgendwo im Körper bilden, nicht von der Lunge abgefangen, sie schießen stattdessen über die linke Herzkammer direkt ins Gehirn. Akut wird der Fall vor allem dann, wenn Probleme mit der Blutgerinnung auftreten, etwa infolge eines operativen Eingriffs oder eines Infekts.

Bei Kindern können auch Gefäßverengungen auftreten, an denen sich dann ein Gerinnsel bilden kann. Aus bislang noch nicht erforschten Gründen geschieht das nur an den Hirn-, nicht an den Herzarterien - weshalb die kleinen Opfer denn auch keinen Herz-, sondern einen Hirninfarkt erleiden. Solche Verengungen können angeboren, aber auch Folge von Verletzungen oder Infektionen sein. Da sowohl Arterien-Verengungen als auch kleine Herzfehler oder Gerinnungsstörungen unbemerkt bleiben können, halten es die Ärzte in Münster für dringend erforderlich, im Falle eines Schlaganfalls im Kindes- oder Jugendalter nach solchen Ursachen gezielt zu suchen, um die Gefahr eines zweiten Schlaganfalls zu mindern.

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