Zeitung Heute : Schlecker will mit Insolvenz gesunden Großteil der Filialen und Mitarbeiter soll bleiben

Berlin - Deutschlands größte Drogeriekette Schlecker steht vor der Pleite. Das Geld reicht nicht mehr für den groß angelegten Umbau, der den seit Jahren defizitären Branchenriesen mit seinen 8000 Filialen retten soll. Eine Zwischenfinanzierung für die anstehende Sanierung sei gescheitert, teilte das Unternehmen aus Ehingen bei Ulm am Freitag mit. Nun solle Schlecker über einen Insolvenzplan wieder auf die Beine gestellt werden. „Ein entsprechender Antrag wird kurzfristig gestellt.“ Dadurch könne Schlecker mit seinen mehr 30 000 Mitarbeitern in Deutschland erhalten bleiben – wenn die Gläubiger mitspielen. „Ziel ist der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze“, versicherte die Kette. In Berlin sind bei rund 300 Filialen – inklusive der Läden der Schlecker-Tochter Ihr Platz – rund 900 Mitarbeiter beschäftigt.

Nach dem Insolvenzantrag übernimmt die Arbeitsagentur die Löhne für bis zu drei Monate. Der Geschäftsbetrieb laufe „unverändert weiter, auch die Zahlung der Mitarbeitergehälter sei gesichert“, teilte Schlecker mit. Der „Weg der Restrukturierung“ solle fortgesetzt werden. Die Gewerkschaft Verdi machte Firmenpatriarch Anton Schlecker persönlich für das Schicksal der Beschäftigten verantwortlich. „Eigentum verpflichtet“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Schlecker schreibt seit 2008 Verluste und hatte in den vergangenen eineinhalb Jahren Hunderte Filialen in Deutschland geschlossen – und andere modernisiert. Allein im ersten Quartal 2012 stünden rund 600 unrentable Läden auf der Kippe, hatte es zuletzt im Schlecker-Umfeld geheißen. Wettbewerber wie dm oder Rossmann hatten Schlecker mit seinem Billig-Image und den vielfach verwinkelten, mit wenig Personal besetzten Filialen immer stärkere Konkurrenz gemacht. Zuletzt hieß es, der frühere Edeka-Chef Alfons Frenk solle neue Geldgeber suchen, die den Umbau finanzieren sollten. Doch Finanzinvestoren zögerten. rtr/Tsp

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