Zeitung Heute : Schlichten statt richten

Maik Heitmann

Seit fast drei Jahren gibt es die Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft, bei der die frühere Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Renate Jaeger als Ombudsfrau mit ihrem Team zwischen Anwälten und unzufriedenen Mandanten vermittelt. Das bundesweite Angebot besteht neben den Schlichtungsstellen der Anwaltskammern in den Bundesländern.

Die Schlichterin wird vor allem bei der Auseinandersetzung über Honorar- oder Schadenersatzansprüche zurate gezogen, jeweils begrenzt auf 15 000 Euro. Es soll zügig und unentgeltlich eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Das geht allerdings nur, wenn nicht bereits ein Gerichts- oder Ermittlungsverfahren läuft. Die Schlichtungsstelle darf einen Fall auch ablehnen – etwa, wenn eine Klärung des Sachverhalts keine Aussicht auf Erfolg hat oder ohne Beweisaufnahme nicht möglich ist. Auch der Rechtsanwalt muss sich nicht auf die Schlichtung einlassen; beide Parteien sollen dialogbereit sein.

Grundsätzlich läuft das Verfahren schriftlich. Dabei müssen die Parteien Stellung nehmen und Beweise zu ihrer Sicht der Dinge vorlegen. Der Schlichter bereitet dann einen Lösungsvorschlag vor. An diesen ist niemand gebunden – Rechtsanwalt und Mandant können annehmen oder ablehnen. Der Weg zu Gericht ist dann immer noch offen. Maik Heitmann

Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft, Telefon 030/2844417-0, schlichtungsstelle@s-d-r.org, mehr im Internet: www.s-d-r.org

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