Zeitung Heute : Schmerz, lass nach

Mit künstlichen Hüftgelenken erleichtert das Medizintechnikunternehmen Merete Medical vielen Menschen das Leben. Mit einer neuen Spezialschmiede in Luckenwalde will das Unternehmen weiter wachsen

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Von Andreas Monning In und um Berlin arbeiten schon heute mehr als 5000 Menschen in der Medizintechnik, die als eine der Hoffnungsbranchen der Hauptstadtregion gilt. Mit einer Investition von rund fünf Millionen Euro sorgt der Implantate- und Prothesen-Hersteller Merete Medical dafür, dass es bald noch ein paar mehr sind. Das Unternehmen aus Berlin-Lankwitz baut im brandenburgischen Luckenwalde gerade eine neue Spezialschmiede auf, Grundsteinlegung war vergangenen Mittwoch. Möglichst noch dieses Jahr sollen dort bereits Schmiedespezialisten, Werkzeugmacher, CNC-Fräser und Dreher arbeiten. Innerhalb von fünf Jahren soll die Mitarbeiterzahl auf 65 Mitarbeiter im Standort Luckenwalde wachsen, fast 130 wären es dann in der Firmengruppe.

Ende 1996 gegründet, entwickelt und produziert die Merete Medical GmbH seit 1998 in Lankwitz Implantate und Instrumente der Endoprothetik (Prothesen im Körper) und Osteosynthese (Hilfsmittel zur Reparatur von Knochen). Wichtigstes Produkt sind künstliche Hüftgelenke, von denen jährlich etwa 2000 hergestellt werden.

Wenn die Schmiedearbeiten im nächsten Jahr voll anlaufen, produzieren die Berliner vom Rohmaterial bis zum fertigen Implantat fortan alles selber und sind nicht mehr auf Zulieferer angewiesen. „Durch die Schmiede werden wir unseren eigenen Bedarf an Rohlingen decken, der manchmal aus Serien von nur 500 bis 1000 Stück besteht“, sagt Alexia Anapliotis. „Derartig kleine Aufträge fasst normalerweise keine Schmiede an.“ Ansonsten erledigen diese Spezialisten meist Großaufträge, etwa für die Automobilindustrie.

Mit der eigenen Produktion im Rücken wird Merete zudem den osteuropäischen Markt ins Visier nehmen, der Exportanteil von bisher 20 Prozent soll innerhalb der nächsten zwei Jahre auf 50 Prozent ausgebaut werden. Noch rangiert das Unternehmen bei den deutschen Implantatehersteller im Mittelfeld. Aber die Lankwitzer wollen sich bald zu den Top-Playern gesellen.

„Rund 80 Prozent des deutschen Implantatemarktes sind in amerikanischer Hand“, sagt Alexia Anapliotis, eine von drei Geschäftsführern der Firma, „dabei ist unsere Technologie mindestens auf dem gleichen Stand.“ Zusammen mit ihrem Vater, Firmengründer Emmanuel Anapliotis und dessen langjährigem Kompagnon und Branchenkenner Curt Kranz, will sie Jahr für Jahr weitere Marktanteile der hart umkämpften Branche erobern.

Gründer der Firma ist Emmanuel Anapliotis, der in den Sechzigerjahren als Jurist mit einem Promotions-Stipendium des DAAD aus Griechenland nach Deutschland kam. Er machte sich mit dem Handel medizinischer Implantate selbstständig und ist seitdem der Branche treu geblieben. 1969 gründete er die Firma Mecron GmbH, die zu Hochzeiten 280 Mitarbeiter beschäftige, 1986 allerdings durch den US-Konzern Johnson&Johnson aufgekauft und 1990 aufgelöst wurde.

Es folgten bewegte Zeiten von Firmenkäufen, Joint Ventures, Umfirmierungen und Fusionen, an denen Branchengrößen wie Biomet und Merck beteiligt waren. Mit der Gründung von Merete Medical hat der Implantate-Pionier wieder das Ruder selbst in der Hand.

Allein in Deutschland werden jährlich 230 Milliarden Euro für Gesundheit ausgegeben. Besonders der demographische Wandel mit einem immer größeren Anteil älterer Menschen treibt diese Entwicklung voran. Alleine 20 Milliarden Euro der Gesundheitsausgaben fielen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2004 auf den Bereich Medizinprodukte, davon 10,1 Milliarden Euro auf technische Hilfsmittel, zu denen auch Implantate wie künstliche Gelenke, Herzschrittmacher und Herzunterstützungssysteme gehören. Laut Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) ist Deutschland nach den USA und Japan weltweit der drittgrößte Einzelmarkt und mit Abstand der größte Markt Europas.

Das Wachstum der Branche liegt hierzulande bei drei Prozent, bis zum Jahre 2010 könnten es dem Bundesforschungsministerium zufolge jährlich sogar 4,1 Prozent werden. Mit 25 bis 30 Prozent jährlichem Umsatzzuwachs kann Merete sogar noch bessere Zahlen vorweisen.

Zurzeit beschäftigt die Firma 62 Mitarbeiter, die Produktionsstätte befindet sich am ehemaligen deutschen Sitz von Biomet in Lankwitz. Der Standort Berlin mit seiner großen Zahl gut ausgebildeter Ärzte, Forscher und Ingenieure und einem hohen Standard der klinischen Forschung bietet der Firma ein ideales Umfeld. Die Nähe von Institutionen wie der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung sowie der Technischen Universität sorgt für einen regen Wissenstransfer. Der ist bei den kurzen Produktzyklen der Medizintechnologie entscheidend. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielen Medizintechnikfirmen mit Produkten, die nicht älter als drei Jahre sind.

„Durchschnittlich fließen rund sieben Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung“, erklärt Alexia Anapliotis, „bei Merete laufen derzeit über 30 Projekte, in denen unter anderem Oberflächentechnologien optimiert und Implantate entwickelt werden, die der Körper besser annimmt.“

www.merete.de

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