Schmerzensgeld von Dolly Buster gefordert : "Knöllchen-Horst" verliert vor Gericht

Knöllchen-Horst, ein notorischer Denunziant, hat eine Beleidigungsklage angestrengt. Und kein Recht bekommen. Unser Kolumnist Helmut Schümann findet das obergeil.

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Eine Klage auf Schmerzensgeld gegen Dolly Buster ist gescheitert - weil sie ein Pornostar war.
Eine Klage auf Schmerzensgeld gegen Dolly Buster ist gescheitert - weil sie ein Pornostar war.Foto: dpa

Geil war man schon im Althochdeutschen. Als Geilstelle bezeichnete man den Teil einer Wiese, der besonders üppig und dicht bewachsen ist. Demnach ist es nachvollziehbar, dass „geil“ zu einem Synonym für erregt und lustig geworden ist. Aber das hat sich auch schon wieder geändert. Vor allem junge Menschen finden etwas geil, wenn sie es supermegakrasstoll finden. „Ey, Keule, Pegida zerbröselt sich selbst, is’ ja geil!“ In dem Fall kann man sogar sagen: Ist ja supergeil.

Schmerzensgeld von Dolly Buster

Ich habe keine Ahnung, was Knöllchen-Horst darüber denkt. Aber das Wort „geil“ gefällt ihm nicht. Dagegen hat er sogar geklagt. Vorab muss man wohl berichten, dass Knöllchen-Horst in seiner Heimat im Harz schon seit Jahren Falschparker anzeigt. Tausende von Falschparkern hat er schon angezeigt. Das ist wahrscheinlich ein Tick von ihm. Dolly Buster hingegen ist eine Pornodarstellerin oder war eine. Und die hat im Fernsehen gesagt, dass sich Knöllchen-Horst wohl daran aufgeile, wenn er Falschparker anzeige. Knöllchen-Horst, ein Rentner, zog vor Gericht und wollte mehrere hundert Euro Schmerzensgeld haben.

Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Die bekam er nicht, die Beleidigungsklage wurde abgewiesen. Und zwar mit einer geilen Begründung. Aus dem Munde einer Pornodarstellerin sei „geil“ nicht herabwürdigend, sondern passender Sprachgebrauch. Dolly Buster hat also nur aus dem Nähkästchen geplaudert. Um nun zu eruieren, wo in diesem Fall das Verderbte und Versaute sitzt, sei August Heinrich Hoffmann von Fallersleben zitiert: „Das größte Schwein im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“

"Knöllchen-Horst, du bist reichlich bescheuert"

Knöllchen-Horst, den das Oberverwaltungsgericht vor fast zwei Jahren schon einen Verleumder nannte, weil er einer denunziatorischen Tätigkeit nachgehe, macht vor nichts Halt. Auch die Besatzung eines Rettungshubschraubers hat er wegen Parkens auf dem Gehweg angezeigt. Nachdem Horst durch den Harz gestreift ist und Sünder gejagt hat, dokumentiert er die Fälle zu Hause in einem eigenen Register. Man tritt Horst wohl nicht zu nahe und muss mit einer Beleidigungsklage rechnen, wenn man seinen Tick noch ausweitet und ihm eine gehörige Macke konstatiert. Was ich hiermit tue: Knöllchen-Horst, du bist reichlich bescheuert. In eigener Sache ist Horst aber auch penibel. Als er einmal zu schnell gefahren war, wehrte er sich mit allen Mitteln vor Gericht gegen die Zahlung von zehn Euro Bußgeld. Er wurde aber auch in dem Fall abgewiesen. Geil, oder?

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