Zeitung Heute : Schmidt: Deutsche sind verführbar

Berlin - 500 junge Soldaten der Bundeswehr haben am Sonntagabend vor dem Reichstag in Berlin ihr Gelöbnis abgelegt. Erstmals in der bundesdeutschen Geschichte fand das Zeremoniell an dem historischen Ort statt, der weiträumig abgesperrt war. Am Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), vom Widerstand gehe der Auftrag aus, das Handeln der Soldaten immer an das Grundgesetz zu binden. „Der 20. Juli 1944 war als Aufstand des Gewissens eine befreiende Tat.“ Der Reichstag sei ein guter Ort für das Gelöbnis.

In einer bewegenden Rede versicherte Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) den Soldaten: „Ihr könnt Euch darauf verlassen: Dieser Staat wird Euch nicht missbrauchen.“ Zwar glaubten viele, unser heutiger Friede sei selbstverständlich. „Aber seit Jahrhunderten haben wir Deutschen uns keineswegs als eine sonderlich friedfertige Nation erwiesen.“ Die Menschen seien verführbar. „Auch wir Deutschen bleiben verführbar.“ Er betonte aber sein Vertrauen in die Bundesrepublik. Der 89-Jährige erinnerte an seine Erfahrung als Wehrmachtssoldat. Er habe mit dem Widerspruch leben müssen, die drohende Niederlage und die Verbrechen der Nazis zu erkennen und ihrem Staat dennoch weiter als Soldat dienen zu müssen. „Wir allesamt sind belastet mit der Verantwortung dafür, dass sich die Schrecken der deutschen Vergangenheit nicht wiederholen dürfen.“

An der Veranstaltung nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Unionsfraktionschef Volker Kauder teil. Tsp

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