Zeitung Heute : Schmuckstück

Paul Janositz

Harz gibt es, seit es Bäume gibt. So haben auch die in prähistorischen Zeiten untergegangenen Wälder ihre erstarrten „Tränen“ hinterlassen. Ein besonders schönes Geschenk haben uns Nadelhölzer aus dem Oligozän gemacht, dem etwa 30 Millionen Jahre zurückliegenden Erdzeitalter. Es ist Bernstein, hellgelb bis orangerot, braunschwarz oder gelblich weiß, rundlich oder eckig. Sehr selten und deshalb besonders kostbar sind blaugrün schimmernde Stücke. Ob Bernstein klar oder trübe ist, hängt von der Menge der mikroskopisch kleinen Luftblasen ab, die beim Erstarren gefangen wurden. Dieses Schicksal konnte auch Insekten oder Pflanzenreste treffen – und die so genannten Einschlüsse werden heute für viel Geld verkauft.

In den Urzeitwäldern von den Bäumen geflossen und hart geworden, reicherte sich Bernstein im Boden an, wurde von den Flüssen ins Meer gespült und mit dessen Vor- und Zurückweichen ins Erdreich gedrückt. So finden sich die fettglänzenden, versteinerten Objekte auf allen Kontinenten zwischen Sandkörnern am Strand oder tief im Boden vergraben.

Ein besonders ergiebiger Fundort ist der baltische Raum. Vor 30 Millionen Jahren herrschte dort subtropisches Klima. Es gab dichte Wälder mit der heute ausgestorbenen Bernsteinkiefer. Von deren lateinischer Bezeichnung „Pinus Succinifera“ leitet sich der Name „Succinit“ für den baltischen Bernstein ab. Besonders viel gibt es im Gebiet um Königsberg, wo ein Kubikmeter Erde ein bis zwei Kilogramm des fossilen Harzes enthält. Bernstein ist organisches Material, es besteht zu drei Vierteln aus Kohlenstoff, zu einem Zehntel aus Wasserstoff und zu zwölf Prozent aus Sauerstoff. Bernstein ist bei 300 Grad brennbar, wie der vom mittelniederdeutschen „bernen“ abgeleitete Name nahe legt.

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