Zeitung Heute : Schmutzige Geschäfte: Onkel Dagobert auf französisch

Susanna Nieder

Hat man sowas schon gehört? Neulich hat ein Mann die Chipkarte von seinem Handy aufgefressen. Warum macht der sowas? Schmeckt ihm das? Bestimmt nicht. Aber auf so einer Chipkarte sind viele Informationen drauf.



Der Mann heißt Alfred Sirven und ist ein wichtiger französischer Chef. Das heißt, das war er bis vor einigen Jahren. Er war der Direktor einer riesigen Tankstellen-Kette namens Elf. Monsieur Sirven hatte so viel Geld wie Onkel Dagobert, aber er ging großzügiger damit um. Anstatt im Geld zu baden und alles für sich zu behalten, packte er bündelweise Scheine in seinen Kofferraum, legte eine Wolldecke darüber und fuhr durch Paris, um es an seine Kumpels zu verteilen.

Die Sache hatte nur einen kleinen Haken. Das Geld gehörte gar nicht ihm. Es gehörte dem französischen Staat, mit anderen Worten, allen Franzosen. Und als die Sache aufflog, wurden die richtig sauer. Ein Minister wurde verhaftet, seine Freundin und auch der Präsident der Tankstellen-Kette. Und alle haben sie gerufen: "Wir haben nichts gemacht! Nur ein bisschen Geld bekommen! Monsieur Sirven ist schuld!" Der war aber über alle Berge geflüchtet, auf eine ferne Insel. Da hat ihn die französische Polizei letzte Woche gefunden. Aber bevor man ihn festnehmen konnte, hat er schnell diese Chipkarte verschluckt, damit ihm niemand etwas nachweisen kann. Sogar in Deutschland soll er in Betrug und Verbrechen verwickelt gewesen sein. Und jetzt fragen sich alle: Ist die Chipkarte noch zu gebrauchen, wenn sie aus Monsieur Sirven wieder herauskommt? Wenn das kein schmutziges Geschäft ist!

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