Zeitung Heute : Schneesicherheit ist das Thema Nummer Eins

Andrea Löbbecke

Dicht gedrängt stehen die Wohnmobile auf dem tief verschneiten Campingplatz. Helle Rauchwölkchen kräuseln sich aus den kleinen Schornsteinen auf den Dächern. An vielen Campern sind an der Rückseite Skier und Stöcke festgeschnallt. Neben mehreren Eingängen stehen Skibobs und Schlitten. "Wintercamping" - das ist Dank moderner Reisemobile mit leistungsstarken Gasöfen kein Abenteuer mehr für hart gesottene Extremsportler. Auch wenn die Stellplätze in Winterberg im Sauerland nicht ganz so voll besetzt sind wie in den Sommermonaten: Viele Reisemobilisten schätzen auch bei Eis und Schnee die Unabhängigkeit im Camper und die günstige Urlaubsmöglichkeit auf den eigenen vier Rädern.

Die meisten Sauerland-Urlauber bevorzugen jedoch ein festes Dach über dem Kopf und übernachten in einem der vielen Hotels, Pensionen und Gasthäuser. Das "Land der 1000 Berge" biete insgesamt rund 50 000 Betten, sagt Andreas Düppe von der sauerländischen Touristikzentrale in Brilon. Im Winter locken vor allem die insgesamt mehr als 1200 Kilometer langen Langlauf-Loipen und rund 130 Skilifts Feriengäste an. Ein Problem im Sauerland ist allerdings der Schnee: In vielen der vergangenen Jahre lag die weiße Pracht nur mäßig, in nicht wenigen blieb sie fast ganz aus. Häufig liefen die Lifts nicht länger als 20 Tage in einer Wintersaison.

Das soll in Zukunft anders werden: Für die Region wurde unter Beteiligung der nordrhein-westfälischen Landesregierung ein "Masterplan" beschlossen, der das Sauerland binnen der kommenden fünf Jahre zu einer "Wintersport-Arena" machen soll. "Mindestens 80 Tage Schneesicherheit soll der Plan bringen", sagt Düppe. Beim Schneefall wollen die Sauerländer künftig nicht mehr auf die Wetterlage hoffen, sondern wesentlich mehr Pisten als bislang mit Schneekanonen beschneien. Besonders die "Schneesport-Kernregion" im Hochsauerland mit den Abfahrten zwischen Winterberg, Altastenberg, Schmallenberg und Olsberg sollen von dem künstlichen Weiß profitieren.

Das Sauerland ist jedoch auch ohne Skier ein schönes winterliches Urlaubsziel. Auf einem gut ausgebauten und beschilderten Wegenetz können Wanderer die Wälder, Täler und Hügel erkunden. Die Strecken können leicht variiert werden - vom bequemen Spaziergang bis zur anspruchsvollen Tour ist alles möglich. Je weiter man sich jedoch in die Wälder des Sauerlandes hinein wagt, umso einsamer werden die Strecken. Dafür ist es gut möglich, dass Rehe oder Wildschweine den Weg kreuzen. Die meisten Touren führen über einen der vielen Berge und bieten die Möglichkeit für fantastische Ausblicke.

Eine Reise ins Sauerland wird hauptsächlich solche Urlauber begeistern, die Ruhe und Erholung wollen. Wer kulturelle Höhepunkte besuchen möchte, ist in den beschaulichen Sauerland-Städtchen nicht richtig. Auch heiße Disconächte sind eher die Seltenheit - es gibt allerdings Ausnahmen: Willingen im Sauerland ist eine der Hochburgen für Vereinsausflüge, Kegelfahrten und andere feucht-fröhliche Gruppenreisen. Auf dem Ettelsberg oberhalb des Örtchens werden beim Hüttenzauber schon gegen Mittag zahlreiche Bier- und Schnapsgläser geleert. Dann schwappt die Stimmung hoch, allerdings nur bei den Beteiligten.

Trubel und hochklassiger Sport

Jede Menge Trubel gibt es auch bei den alljährlichen hochklassigen Sportwettkämpfen im Sauerland. So messen sich etwa die Skispringer auf der Schanze in Willingen beim Weltcupskispringen. In Winterberg treffen sich Bob- und Rodelfahrer zum Weltcuprennen. Zudem gibt es in Winterberg im Februar - bei genügend Schnee - ein internationales Schlittenhunde-Rennen, auf den Pisten von Neuastenberg wird ein Nostalgie-Skirennen gestartet. Besonders Wagemutige können sich auch den Eiskanal der Winterberger Bobbahn hinunterwagen: 81,80 Euro kostet eine Gästefahrt im Bob - gemeinsam mit Profis.

Das Sauerland liegt östlich vom Ruhrgebiet und nördlich von Siegen. Mit seinen mehr als 30 Skigebieten in 500 bis rund 840 Metern Höhe gehört es zu den drei größten Wintersportregionen nördlich der Alpen. Immerhin etwa elf Millionen Menschen können das Sauerland binnen zwei Stunden erreichen.

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