Zeitung Heute : Schneller als die Software erlaubt

Christoph Podewils

Derzeit gibt es keine Programme, die die Leistung der neuen Grafikkarten-Generation ausnutzen

Was für den Formel-1-Piloten der Motor ist, das ist für den professionellen Computerspieler die Grafikkarte. Die Leistungsfähigkeit entscheidet über Sieg und Niederlage - und damit über viel Geld, um das es auch in den Computerspiel-Profiligen geht.

Eine Grafikkarte ist umso leistungsfähiger, je schneller sie aus den Datenmengen, die der Hauptprozessor eines PCs zur Verfügung stellt, ein Bild errechnet. "Profispieler brauchen jedes Bild pro Sekunde", sagt Thilo Bayer, Chefredakteur der in Fürth erscheinenden Zeitschrift "PC Games Hardware". Gekrönt wird diese Geschwindigkeit schließlich von der Genauigkeit, mit der die Karte Muster wiedergibt oder Kanten glättet: "Das subjektive Spielgefühl steigt dadurch." Die Ferraris und Mercedes des Grafikkarten-Sektors heißen ATI und Nvidia. Sie entwickeln und produzieren die aufwändigen Grafik-Prozessoren, mit denen die geschmeidige 3D-Grafik wie etwa bei dem gegenwärtig sehr beliebten Harry-Potter-Spiel für den Monitor in Szene gesetzt wird. Die aktuellen Radeon-8500-Chips der kanadischen Firma ATI sind deshalb nicht nur auf eigenen Karten zu finden, sondern neuerdings auch auf Boards der Hersteller Gigabyte aus Taiwan und Guillemot/Hercules aus Frankreich.

Der kalifornische Halbleiterhersteller Nvidia verkauft dagegen gar keine selbst entwickelten Grafikkarten - wer eine Karte mit den jüngst vorgestellten GeForce4-Chips NV17 und NV25 erstehen will, muss nach Ansicht von Branchenkennern bis zur Computermesse CeBIT warten. Dort werden voraussichtlich Modelle von den bekannten Kartenherstellern wie Asus aus Taiwan oder Creative aus Singapur vorgestellt werden.

Auch wenn in allen Karten im Prinzip das gleiche "Herz" schlägt: Was genau sie leisten werden, sagen die Hersteller noch nicht. "Wir wollen zur CeBIT ja noch mit Neuigkeiten aufwarten können", weicht der Sprecher eines Herstellers den Nachfragen aus. Die Referenzmodelle, die Nvidia den Herstellern als Vorlage gegeben hat, lassen beispielsweise zwei digitale Monitoranschlüsse (DVI-Ports), hochauflösende Fernseh-Encoder, eingebaute DVD-Wiedergabe oder Personal Cinema zu. Daneben sind Speichergeschwindigkeiten von bis zu 550 Megahertz möglich - wodurch die neuen Karten dem Hersteller zufolge je nach Aufgabe etwa zwei bis drei Mal so schnell sein werden wie die Vorgä ngermodelle mit GeForce3-Chip.

Damit überrundet der nach Angaben von Nvidia schnellste Grafikprozessor der Welt in Sachen Schnelligkeit und Detailtreue auch Microsofts Spielkonsole "Xbox". Bis zu 86 Millionen Polygone kann der Chip in jeder Sekunde ausrechnen, rund ein Drittel mehr als die Xbox, in der ein Nvidia-Chip mit 60 Millionen Polygonen pro Sekunde für fotorealistische Animationen sorgt.

Wer sich für eine Grafikkarte mit dem GeForce4-Chip entscheidet, muss tief in die Tasche greifen. "Rund 500 Euro (978 Mark) werden die neuen Modelle kosten", schätzt Sascha Gruber, Spezialist für Grafikkarten bei der Zeitschrift "PC Professionell" in München. "Da stellt sich schon die Frage, ob man so was braucht." Denn gegenwärtig gebe es kein Spiel, das die volle Leistungsfähigkeit der Karte fordern würde. "Die Hardware-Industrie rennt den Spiele-Entwicklern gegenwärtig ein wenig davon", so Gruber. Der Hardware-Spezialist rät deshalb zu den weitaus günstigeren Modellen der Vorgängergenerationen. Das beste Preis-Leistungsverhältnis hätten zurzeit Grafikkarten mit dem GeForce-2-Titanium-Chip oder Karten des Herstellers ATI mit 7500-Radeon-Chipsatz. "Zu einem Preis von rund 200 Euro bekommt man eine ordentliche, schnelle Karte, es gibt im Moment nichts Vergleichbares." Thilo Bayer von "PC Games Hardware" verallgemeinert diese Empfehlung noch: "Generell würde ich den meisten raten, nicht die allerneuesten Versionen zu kaufen, sondern lieber die Vorgängergeneration zu wählen."

Mit solchen Hochleistungs-Grafikkarten seien nicht nur Hobby-Spieler gut bedient, auch für den Einsatz im Büro sind sie mehr als ausreichend: Sogar an einfachere Modelle lassen sich mittlerweile zwei Monitore anschließen. Das ist vor allem für Büro-Anwendungen wie zum Beispiel die Konstruktion (CAD) oder die Fotobearbeitung optimal: "Man kann auf einem Monitor die Arbeitspaletten ablegen und hat auf dem anderen dann sehr viel Platz", so Sascha Gruber. Auch Videos lassen sich mit den einfachen Karten schon gut bearbeiten. "Dazu braucht man neben einem digitalen Videorekorder eigentlich nur eine Firewire-Karte und die Schnittsoftware", erläutert der Experte.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar