Zeitung Heute : Schneller Brüter

FRANK NOACK

Wenn der Macho mit der Tunte ...: Die Komödie "Kiss Me Guido"FRANK NOACKWie sich die Zeiten geändert haben! Früher mußten sich Schwule als Heteros ausgeben, um beruflich voranzukommen, aber inzwischen ist auch der umgekehrte Fall möglich: Frankie (Nick Scotti), ein Super-Macho, wie es ihn nur noch unter Italo- und Lateinamerikanern gibt, sucht dringend eine neue Bleibe und findet in einer Schwulen-WG ein Zimmer.Sogar ein lukrativer Job ist für den einfachen Pizzabäcker in Aussicht, nichts geringeres als die Hauptrolle in einem Theaterstück.Doch das Stück wurde von militanten Aids-Aktivisten verfaßt, die es niemals dulden würden, daß ein "Brüter" (so das schwule Schimpfwort für Heteros) Star des Abends wird.Eine brenzlige Situation für Frankie, der auch noch aufpassen muß, daß seine erzkatholische Familie nichts von seinem neuen Leben erfährt."Kiss Me Guido" beginnt mit einem Feuerwerk an Gags, wird durchweg temperamentvoll gespielt und steht selbst in seinen gaglosen Momenten haushoch über deutschen Filmen mit derselben Thematik wie "Der bewegte Mann" oder "Echte Kerle".Regisseur Tony Vitale hat erkannt, daß das Alberne und das Sensible sich nicht ausschließen.Es ist möglich, über Macho- und Tuntengehabe herzuziehen und gleichzeitig für mehr Toleranz zu plädieren.Daß solch ein Balanceakt einer wenig ambitionierten Low-Budget-Komödie gelingt, verdient Beachtung.

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