Zeitung Heute : Schneller zum Rheumatologen In Berlin besteht nach wie vor ein Fachärztemangel

Kirsten Karberg
Frühe Diagnose ist bei Rheumaerkrankungen entscheidend.Foto: Alexander Raths/Fotolia
Frühe Diagnose ist bei Rheumaerkrankungen entscheidend.Foto: Alexander Raths/FotoliaFoto: Alexander Raths Fotolia

Die rheumatologische Versorgung in Berlin ist gekennzeichnet durch ein sehr vielfältiges Angebot. Die hauptsächliche Betreuung findet im ambulanten Bereich statt und wird durch Facharztinternisten mit Schwerpunkt Rheumatologie sowie hausärztliche Internisten mit Schwerpunkt Rheumatologie in eigenen Niederlassungen oder angestellt in MVZs erbracht. Einige Orthopäden mit der Zusatzbezeichnung Rheumatologie nehmen an der Versorgung ebenfalls teil.

Zusätzlich gibt es in Berlin zwei rheumatologische Fachkliniken: die Immanuel-Krankenhäuser in Wannsee und in Buch sowie die rheumatologischen Abteilungen der Schlosspark-Klinik und der Klinik Weißensee. Die Charité hat sowohl am Standort in Mitte als auch im Benjamin-Franklin-Klinikum rheumatologische Einrichtungen mit stationären Betten, eine Hochschulambulanz sowie ein MVZ für die Regelversorgung.

In Berlin ist zudem das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum angesiedelt, das neben der Grundlagenforschung auch Projekte zur Versorgungsforschung durchführt. Auch gibt es in Berlin eine starke Selbsthilfeorganisation, die Rheuma-Liga, welche die Versorgung der Patienten durch vielfältige Angebote unterstützt. Zusammengefasst und repräsentiert wird die gesamte rheumatologische Versorgung in einem Netzwerk, dem regionalen Rheumazentrum Berlin.

Die Zusammenarbeit zwischen den stationären Einrichtungen und der ambulanten Medizin ist im Allgemeinen eng verzahnt. Patienten mit schweren Verlaufsformen entzündlich rheumatischer Erkrankungen, mit Komplikationen oder in Schubsituationen können schnell stationär aufgenommen werden. Umgekehrt ist die Entlassung in die ambulante Weiterbehandlung zu den Rheumatologen geregelt.

Die Zahl der niedergelassenen Kollegen hat besonders in den letzten zehn Jahren zugenommen. Aktuell sind es 23 fachinternistische und elf hausarztinternistische Rheumatologen. Dennoch erreichen auch wir in Berlin nicht den von der deutschen Gesellschaft für Rheumatologie geforderten Versorgungsgrad von einem Rheumatologen auf 50 000 erwachsene Einwohner. In Berlin ist es ein Rheumatologe auf 90 000 erwachsene Einwohner. Diese Versorgungslage führt immer noch zu Engpässen und unterschiedlich langen Wartezeiten bei der Anmeldung. Ein Teil der rheumatologischen Kollegen bieten Früharthritissprechstunden an, um Patienten mit kurzer Dauer der Beschwerden schneller zu sehen. Zumeist erfolgt die Anmeldung über den zuweisenden Hausarzt direkt von Arzt zu Arzt. Eine weitere Möglichkeit sind die Angebote einer Integrierten Versorgung durch die AOK Berlin, durch die eine schnelle Zuweisung zu einem Rheumatologen erfolgen kann.

Erfreulicherweise hat die Aufmerksamkeit für Erkrankungen aus dem rheumatologischen Formenkreis sehr zugenommen. Dies führt aber auf der anderen Seite zu einer deutlich erhöhten Nachfrage nach Terminen. In diesem Spannungsfeld befinden sich die rheumatologischen Praxen und Ambulanzen. Wir erleben täglich viele Anmeldungen von neuen Patienten; zusätzlich benötigen die in Behandlung befindlichen Patienten aufgrund neuer innovativer Therapien und zielgerichteter Behandlungsansätze häufigere Termine. So ist nicht nur die Zahl der angesiedelten Rheumatologen mehr geworden, sondern auch die Anforderungen an die Versorgung sind gestiegen. Trotz Früharthritissprechstunden, Integrierter Versorgung, straffer Organisation in den Praxen mit stärkerer Einbeziehung auch der medizinischen Fachassistentinnen, Hausarzt- und Zuweiserschulungen erreichen wir noch keine flächendeckende Versorgung mit kurzen Wartezeiten. Kirsten Karberg

Die Autorin ist niedergelassene Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie.

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