SCHNITTSTELLE  :  SCHNITTSTELLE 

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Bitte recht cool. Die Schauspielerinnen Chloe Sevigny (v.l.), Tilda Swinton und ihr Kollege Hayden Christensen waren am Donnerstagabend bei der Boss-Show zu Gast. Foto: dapd
Bitte recht cool. Die Schauspielerinnen Chloe Sevigny (v.l.), Tilda Swinton und ihr Kollege Hayden Christensen waren am...Foto: dapd

Sonja Pohlmann

freut sich, dass auf der Fashion Week endlich die Promis eingeflogen sind.

Doch warum steht ein Formel-1-Fahrer auf Rost?

Da muss Sarah Kuttner jetzt durch. „Champagner schmeckt wie Kotze“, sagt sie und trinkt trotzdem tapfer einen Schluck aus ihrem Glas. Gehöre schließlich dazu, wenn man zu Gast in einer VIP-Area sei. Diese ist nur für einen Abend zusammengebaut worden, rote Wände, schwarzer Teppich, Tulpen auf den Tischen. Wo sonst Bilder ausgestellt werden, zeigt der Modekonzern Hugo Boss an diesem Donnerstag Schneiderkunst: die Hugo-Kollektion, designt von Eyen Allen wird in der Neuen Nationalgalerie präsentiert.

700 weitere Gäste sind neben Moderatorin Kuttner gekommen. Endlich ist großes Hallo angesagt, nachdem die Fashion Week vom Promifaktor bisher äußerst mau war. Bei Boss fahren die schwarzen Limousinen reihenweise vor, Bussi hier, Kussi da, am roten Teppich schreien die Fotografen die Namen der deutschen Schauspielerriege rauf und runter: „Nora, shoulder bitte“, mit kessem Blick dreht sich von Waldstätten um. „Matthias, hierher bitte“, Schweighöfer grinst gegen das Blitzlichtgewitter an, am Ende des Teppichs warten zwei junge Damen und drücken ihnen kleine weiße Zettel mit den Sitznummern in die Hand. „Haha, nur Reihe zwei“, lacht Schauspieler Florian David Fitz seine Kollegin Sibel Kekilli aus – wenn Boss zur Modenschau lädt, müssen deutsche Promis Platz machen für internationale Stars.

Extra für die Show lässt das Unternehmen sie einfliegen, denn Boss weiß, dass es kaum bessere Werbung gibt. Da macht es auch nichts, dass Fashion-Ikonen wie die Schauspielerin Chloe Sevigny bisher nichts von der Existenz einer Berliner Modewoche wussten. Hauptsache, die Promis versprühen Glanz, der an Boss noch haften bleibt wie Haarlack.

Immerhin hat sich die aus New York angereiste Sevigny vorab informiert. „Ich habe gehört, dass es hier einen sehr spannenden Streetstyle gibt“, sagt das It-Girl, das sich selbst für ein elegantes Outfit entschieden hat: schwarzer Minirock, Blazer und über der linken Brusttasche eine lila Blume als Hingucker. Schauspielerin Tilda Swinton ist nur für fünf Stunden nach Berlin gekommen – und zum ersten Mal für ein Mode-Event. „Die Stadt liegt mir sehr am Herzen“, sagt die frühere Chefin der Berlinale-Jury. Ihre Haare trägt sie streng nach hinten gekämmt, einen schwarzen Anzug – und viel Klasse.

Nach der Show wird der VIP-Tross wie eine Kindergartengruppe, die sich nicht verlaufen soll, in den nächsten VIP-Bereich geführt. Hier wundert sich „Star Wars“-Darsteller Hayden Christensen, wer der Typ ist, der gleich von mehreren Frauen angeflirtet wird. „Lewis Hamilton“, teilt ihm sein Begleiter diskret mit und weil Christensen das offenbar noch immer nichts sagt: „So ein Formel-1-Fahrer.“ Auch bekannt als der Weltmeister 2008 – und der hat sich für eine Farbe entschieden, die sein Wagen besser niemals haben sollte: Rostrot. Dafür ist der Anzug komfortabler als sein Formel-1-Overall, wie Hamilton sagt. „Ich bin zwar stolz, den Overall zu tragen, aber ich fühle mich in einem Anzug doch noch ein Stück sexier.“ Das scheint „Topmodel“-Gewinnerin Barbara Meier auch so zu sehen und weicht nur von seiner Seite, wenn sich einer der Kellner dazwischenquetscht. Champagnernachschub holen – nicht alle Gäste teilen den Geschmack von Sarah Kuttner.

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