Zeitung Heute : Schöne Frau im Licht

SILVIA HALLENSLEBEN

Regisseurinnen und Regisseure aus aller Welt wurden von dem Fernsehsender Arte gebeten, einen einstündigen Film zur Jahrtausendwende zu drehen.Ein afrikanischer Regisseur war darunter: Abderrahmane Sissako, in Mauretanien geboren, in Mali aufgewachsen, nach Filmstudium in Moskau nun ansässig in Paris.Keine leichte Aufgabe, einen ganzen Kontinent im Millenniumwettstreit zu repräsentieren.Doch glücklicherweise hat Sissako einige Qualitäten, die vielen abgehen: Er weiß, daß man komplexe Zusammenhänge auch vielschichtig darstellen muß.Er kann sich trotzdem beschränken.Und er beherrscht die Kunst, sehr gewichtige Dinge sehr leicht aussehen zu lassen.Und so läßt der Regisseur in diesem einstündigen Film persönliches und historisches, Exilerfahrung und Kolonialgeschichte, malinesisches Dorfleben und Reflektion zu einem vielschichtigen Stimmengemisch zusammenfliessen.Das Ergebnis ist bitter, aber es strahlt verführerisch im Sonnenlicht.Für den Film begibt sich der Regisseur auf die Reise ins Heimatdorf seines Vaters: Eine verschlafene Dorfkreuzung, wo sich ein paar Männer im Schatten drücken, während sich gegenüber der Dorffotograf mit Kamera aufgebaut hat.Ab und zu eine Viehherde.Und natürlich eine schöne Frau, die vorbeiradelt.Sissako kontert die Dorfidylle aus dem Off mit Worten seines Lieblingsdichters.Und mit Technik, die aus dem letzten Jahrhunderts zu kommen scheint.Eine lokale Radiostation, eine Telefonzentrale.Denn Radio hören hier alle, aber vorzugsweise Radio France International.Und das Telefon, das nach dem Zufallssprinzip zu funktionieren scheint, bildet, Internet hin und her, neben der Kreuzung den kommunikativen Knotenpunkt des Dorfes.

Wie in vielen Filmen fließen auch hier Fiktion und Dokument ununterscheidbar ineinander.Fünf Wochen hat Sissako in Sokolo gedreht.Die schöne Frau war ein Zufallstreffer.Das milde Licht, die Sanftheit der Stimmung in diesem Film sind es nicht."Einen Film machen, heißt für mich, ein Gefühl für das richtige Maß haben", sagt Sissako."La vie sur terre" läuft in einem Programm mit dem letzten Film des letzten Sommer verstorbenen senegalesischen Regisserus Djibril Diop Mambety.

18.Februar, 18.30 Uhr (Zoo-Palast), 20.Februar, 14 Uhr (Delphi), 21.Februar, 20 Uhr (Arsenal)

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