Zeitung Heute : Schönheit kommt von außen

Jede zweite junge Frau befürwortet plastische Chirurgie

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Der menschliche Körper, das kann man besonders bei heißem Wetter sehr schön beobachten, wird immer mehr zur Oberfläche für gestalterische Maßnahmen. Piercings an Stellen, wo zart Besaitete schon beim Hinschauen zusammenzucken, Tätowierungen am einen Arm hinauf, die Schultern entlang und am anderen Arm wieder hinunter, hart erarbeitete Muskelpakete, deren stolze Besitzer vor Virilität fast vorneüber kippen – Zeit, Geld und Schweiß sind kleine Hürden, wenn es darum geht, den Traum von der eigenen Schönheit zu verwirklichen.

Von Schmerzen ganz zu schweigen. Nasenkorrektur, Kinnimplantat, Gesichtslifting, ausgepolsterte Brüste, aufgespritzte Lippen, abgesaugtes Fett – das hört sich an wie ein Katalog von Foltermethoden. Trotzdem werden Schönheitsoperationen immer populärer. Mehr als jede zweite junge Frau findet kosmetische Chirurgie heute in Ordnung, belegt laut „Textilwirtschaft“ eine Studie des RheingoldInstituts. Je zugänglicher die Angebote von plastischer Chirurgie, desto mehr werden sie offenbar auch genutzt. „Das Fleisch wird zum Material“, sagt Trendforscher Peter Wippermann. Wo der Mensch eine Wahl hat, will er sich bekanntlich nicht mit dem begnügen, was ihm die Natur mitgegeben hat.

Das gilt hauptsächlich für Frauen, aber nicht ausschließlich. Haarverlust, ließ die European Society of Hair Restoration Surgery anlässlich ihres Jahreskongresses Ende letzten Monats in Berlin wissen, sei ein heißes Eisen. Naturgemäß sind davon vor allem Männer betroffen, bei denen Stress im Beruf und Umwelteinflüsse den Haarausfall fördern. Das wiederum scheint sich bei Jobsuche negativ auszuwirken. 60 Prozent der Männer, die sich für eine Haartransplantation entscheiden, sind unter 35 Jahre alt und versprechen sich von dem Eingriff bessere berufliche Chancen.

Und es hört ja nie auf. Bei Frauen, die ihr Gesicht haben liften lassen, wandert die Kotelettenbehaarung hinter die Ohren, was auch wieder zu Unzufriedenheit führt. Also auf zum nächsten Spezialisten, der die Haare wieder zurückholt. Man fragt sich: Wovor laufen wir Menschen eigentlich davon, als sei der Satan persönlich hinter uns her? S.N.

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