Zeitung Heute : „Schönreden hilft nicht“

Freudige Momente sind im Berufsleben von Matthias Klussmann derzeit rar. Doch es gibt genügend Wege aus der Krise, meint der Immobilien-Manager

Bernd Hettlage

Matthias Klussmann drängt es nicht gerade an die Öffentlichkeit. Niemand aus seiner Branche wolle sich im Moment gerne auf dem Präsentierteller sehen, sagt der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitseigner der Specker Bauten AG. Den Grund dafür spricht er unverblümt aus: „Der mittelständischen Bau- und Immobilienbranche in Berlin geht es dreckig.“ Dennoch ist das kein Grund zur Resignation für den Manager. Es scheint eher so, als stachele ihn die Krise um so mehr an. Und nicht nur ihn. Seine Assistentin Bettina Fleig hat schon am Telefon auf die Frage, ob es ihrer Firma denn noch gut gehe, geantwortet: „Wir kämpfen wie die Löwen.“ Der Specker-Chef lächelt, als er die Geschichte in seinem Büro hört, wirft einen warmen Blick in Richtung Vorzimmer und fügt dann ernst hinzu: „Das ist auch so. Das tun wir alle hier.“

Klussmann ist gebürtiger Ostwestfale, er stammt aus Bielefeld. Den Menschen aus diesem Landstrich sagt man sowohl eine gewisse Sturköpfigkeit als auch Gradlinigkeit nach. Deshalb gibt er auch ohne Zögern zu, dass seine Firma im Moment rote Zahlen schreibt. „Schönreden hilft nicht“, lautet einer seiner Glaubenssätze. Stattdessen müsse man die Situation erkennen und nach Lösungen suchen: „Was machen wir jetzt, wo liegt die Perspektive?“

Wege aus der Krise und Ansätze für die Zukunft gebe es nämlich genügend – auch für seine Branche, meint der Specker-Chef. Das Geld der Anleger fließe heute zwar nicht mehr in Neubauten, da dort die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten mittlerweile sehr reduziert seien und es auf diesem Markt auch auf Jahre hinaus ein beträchtliches Überangebot gebe. Zudem seien die Banken sehr zurückhaltend, was neue Kredite für Bauvorhaben betreffe. „Die entziehen dem Mittelstand geradezu die Finanzierung“, regt sich Klussmann auf. Doch dafür gebe es „privates und institutionelles Kapital für Investitionen in bestehende Objekte.“ Soll heißen: Ältere Immobilien, die vielleicht sogar schon Mieter haben, sind bei Anlegern immer noch gefragt.

Seine Firma sei dabei der ideale Partner für die Investoren, meint Klussmann. Die hätten zwar Finanzkraft und das nötige Know-how am Kapitalmarkt, aber keine Kenntnisse vom Immobilienmanagement und der „Revitalisierung“ von Gebäuden – der Sanierung und der Suche nach neuen, solventen Nutzern, soweit dies erforderlich ist. Solche Investoren würden auch nicht an Bieterverfahren teilnehmen, wie sie beispielsweise im Moment der Liegenschaftsfonds Berlin gerne für seine Objekte ausschreibt. „Die bleiben bei Verhandlungen im Hintergrund.“ Specker übernehme für sie die Kontakte zum Verkäufer und eine Vorprüfung des Objekts. Der Kontakt zu den Investoren wiederum komme dadurch zustande, dass man aktiv auf sie zugehe.

Einen Vertrag im neuen Geschäftsfeld hat die Firma zwar noch nicht abgeschlossen, ein Angebot sei aber inzwischen draußen. Ein zweites werde gerade vorbereitet. Namen möchte Klussmann noch keine nennen. Beflügelt werden seine Hoffnungen auf gute Geschäfte in diesem Bereich von der neuen Allianz des US-amerikanischen Investors George Soros mit dem Berliner Projektentwickler Ulrich Weber.

Noch weiß zwar keiner, was Soros mit seinem Kapital in Berlin erwerben will, aber dessen Soros Real Estate Investors CV verfügt angeblich über eine Milliarde US-Dollar. Weber, der mit seiner Firma bauconcept in den letzten Jahren 25 Bauvorhaben in der Hauptstadt realisiert hat, bringt dafür die nötige Marktkenntnis mit ein. Auf solche Partnerschaften hofft auch Klussmann.

Als der studierte Bauingenieur 1991 dem Firmengründer Roland Specker 70 Prozent des Unternehmens abkaufte, waren die Zeiten noch ganz anders. Klussmann fungierte bereits seit 1986 als Speckers Geschäftsführer. Jetzt war Berlin Hauptstadt, alles erwartete einen Immobilienboom.

Schon Mitte der 90er Jahre begann sich jedoch abzuzeichnen, dass der Hauptstadt-Effekt zumindest noch eine Weile auf sich warten lassen würde. Klussmann wandelte die vormalige GmbH in eine Aktiengesellschaft um. Roland Specker und er hielten weiter das gesamte Kapital, Specker wurde zudem Aufsichtsratsvorsitzender.

Gleichzeitig baute er bereits damals mit dem Fonds- und Immobilienmanagement ein zweites Standbein für die Firma auf. Inzwischen hat diese Sparte seines Unternehmens 70 Mitarbeiter – gegenüber gerade mal 14, die im Baubereich verblieben sind. Rund 200 Fonds mit einem Investitionsvolumen von zwei Milliarden Euro verwaltet die Konzerntochter Specker Immobilien Betreuung GmbH mittlerweile. „Das ist kein sehr ertragreicher Bereich“, gibt Klussmann zu, „aber seit zwei Jahren sind wir damit im Gewinnbereich.“

Was man von der Neubausparte, dem so genannten Development-Bereich, nicht sagen kann. Bis zum Jahr 2002 hat die Specker Bauten AG Immobilien mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 770 Millionen Euro erstellt. Inzwischen schreibe dieser Bereich deutlich rote Zahlen, gibt Klussmann zu. 20 von 34 Mitarbeitern habe er in den letzten Jahren entlassen müssen. Das sei „entsetzlich“ gewesen. Nun seien der Erhalt des 1969 gegründeten Unternehmens und die Sicherheit der verbliebenen Arbeitsplätze sein oberstes Ziel. Dafür arbeite er sehr hart, aber auch sehr gerne.

Die Frage nach Hobbys erübrigt sich da schon fast: „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein workaholic bin.“ Außerhalb der Firma sei die Familie das Wichtigste für ihn – der 47-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder. „Für die findet sich immer Zeit.“

Wieder huscht ein kurzes Lächeln über sein Gesicht. Solche freudigen Momente sind in seinem Berufsalltag im Moment rar gesät. Gern denkt er da an den Neubau der Botschaft von Israel in Wilmersdorf zurück. Das sei ein „grandioser“ Auftrag gewesen. Bei der Eröffnung im Jahr 2000 habe ihn der Projektleiter der israelischen Seite umarmt und dann an die Hand genommen und zu Shimon Peres gezogen, dem damaligen Außenminister. Dann habe er auf Hebräisch auf Peres eingeredet, worauf der mit leicht verwundertem Gesichtsausdruck und vielleicht ohne kapiert zu haben, wen er da überhaupt vor sich hatte, dem Specker-Chef die Hand schüttelte. „Das“, sagt Matthias Klussmann und seine Augen leuchten, „war ein großer Moment.“

Specker Bauten AG, Pohlstr. 20 (Tiergarten. Telefon 254 44-0. Im Internet: www.specker.de

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