Zeitung Heute : Schorletrinken als Staatsziel

Von Harald Martenstein

Sport und Kultur sollen demnächst ins Grundgesetz hineingeschrieben werden, als offizielle „Staatsziele“. Die SPD ist dafür, die Grünen sind dafür, Teile der CDU, die Linke sicher ebenfalls, in der DDR war Sport dem Staat ja auch wichtig. Die Zweidrittelmehrheit ist also fast sicher. Die neue Formulierung im Grundgesetz soll lauten: „Der Staat schützt und fördert den Sport und gewährleistet seine Freiheit.“

Wieso will eigentlich ausgerechnet die Linke die Gewährleistung der Freiheit des Polosports als Staatsziel in der Verfassung verankert sehen? Mit der Diktatur des Proletariats hat es nicht funktioniert – soll jetzt die Diktatur des Polotariats errichtet werden? Auch die Grünen sind für mich unbegreiflich geworden. Wie kann eine Partei angeblich für den Umweltschutz sein und gleichzeitig den Motorsport fördern und die Freiheit von Autorennen gewährleisten, die es dann ja, dank der verdammten Luftverpester-, Energieverschwender- und Lärmbelästigungspartei Die Grünen, überall in reicher Zahl geben wird, unter Berufung auf das Grundgesetz. Mehr noch! Die Tierquäler- und Pferdehasserpartei Die Grünen verlangt, das Springreiten zu fördern, bei dem sich die Pferde ihre Beine brechen, knacks, Pferd tot, Grüne froh, hat man Worte?

Und die SPD? Wie kann es der Friedenspartei, der Partei von Willy Brandt, in den Sinn kommen, ausgerechnet das Kickboxen zu fördern? Woran denkt die deutsche Sozialdemokratie eigentlich bei dem Wort „Sport“? An Minigolf mit Erich Ollenhauer und Katzenwettstreicheln? Und was es soll es eigentlich bedeuten, dass der Staat die „Freiheit“ des Sportes gewährleistet? Heißt das, dass die Bundesliga im Fernsehen kostenlos angeschaut werden darf? Das fände ich gut, aber ich fürchte, es widerspricht der Freiheit des Marktes. Die ist ja ebenfalls geschützt, und die CDU ist angeblich dafür. Oder heißt das, wenn jemand boxen möchte, ist diese Person jederzeit frei, dies zu tun? Das möchte ich nicht. Ich möchte nicht, dass, wenn ich im Gartenlokal sitze und in Ruhe eine Weinschorle trinke, jemand kommt und mich zwingt, ein Autorennen zu fahren oder zu boxen, mit der Begründung, Sport ist Staatsziel, Schorletrinken nicht. Die Freiheit des Schorletrinkens ist politisch nicht gewährleistet. Die Parteien müssten, mindestens, eine Liste der fördernswerten, freien und der nichtfördernswerten und freien Sportarten aufstellen und diese jährlich aktualisieren. Gibt es ein Grundrecht auf Bungee-Jumping? Das Zwergenweitwerfen ist verboten, aber da müsste man neu diskutieren und die Würde des Zwerges gegen die Freiheit des Sportes juristisch abwägen.

Ich wäre dafür, dass man in das Grundgesetz hineinschreibt: „Der Staat schützt und fördert alles, was gut ist.“ Damit könnte ich leben.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben