Zeitung Heute : „Schröder hat Versprechen nicht gehalten“

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Herr Müller, hat die Union die Wahl schon gewonnen?

Natürlich noch nicht. Wir gehen allerdings mit einem soliden Vorsprung in die Zielgerade. Diesen Vorsprung müssen wir versuchen zu halten, wenn möglich auszubauen. Die Wahl ist noch nicht entschieden. Aber es spricht alles dafür, dass wir sie gewinnen können.

Sie sagen: wenn möglich ausbauen. Wie soll das denn geschehen?

Wir müssen, erstens, das Versagen dieser Bundesregierung herausstellen. Bei der wirtschaftlichen Entwicklung, der Staatsverschuldung, der Arbeitslosigkeit liegt Deutschland auf der schlechtesten Position in Europa. Zweitens haben wir die bessere Mannschaft – hie Trittin, Scharping und Co, bei uns Schäuble, Späth und viele andere. Drittens müssen wir unser Konzept für eine Modernisierung in Deutschland offensiv vortragen. Schwerpunktthemen sind Wirtschaft und Arbeit, aber auch die Bildungsfrage.

Auch in der CDU hat es Stimmen gegeben, die Union bleibe in ihren Ankündigungen viel zu vage.

Das sehe ich nicht so. Unser Programm markiert die einzuschlagende Richtung sehr eindeutig. Wir bekennen uns klar zu Leistung, Eigenverantwortung und Solidarität. Im Vergleich zum Programm der Sozialdemokraten ist unseres geradezu akribisch.

Wird die Zuwanderungsfrage noch einmal ein heißes Wahlkampfthema?

Zuwanderung ist ein Thema, das die Menschen interessiert. Deshalb muss auch im Wahlkampf darüber diskutiert werden. Wir werden das in angemessener Weise tun. Es wird kein Hauptthema, aber ein Thema.

Sie sagen: kein Hauptthema. Aber kann sich das nicht noch ändern, wenn die Umfragen für die Union sich ungünstiger entwickeln sollten?

Die Umfragen werden sich nicht zu unseren Ungunsten ändern. Die SPD ist auf einer abschüssigen Bahn. Ich sehe nicht, warum sich das ändern sollte. Schröder hat seine Versprechen nicht gehalten. Die Mannschaft ist schon zur Hälfte ausgewechselt, aber die Ersatzspieler sind um nichts besser.

Wenn wir Sie recht verstehen, ist ihr bester Wahlkämpfer die Regierung, und die Union muss nur noch den Ball bis zum Abpfiff halten?

Na ja, wenn wir schon von Fußball reden: Man spielt nur so gut, wie es der Gegner zulässt. Aber wir haben schon eine sehr gute Mannschaft, die das Spiel auch gegen einen stärkeren Gegner für sich entscheiden könnte.

Macht Ihnen Ihr Mitspieler FDP keine Sorge?

Große Parteien sind gut beraten, Koalitionsfragen nicht vor der Wahl zu debattieren. Wir wollen mal abwarten, wie es am Wahlabend aussieht.

Das Gespräch führte Robert Birnbaum.

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