Zeitung Heute : Schüler proben die Zukunft

HOLGER SCHLÖSSER

Deutsch-japanischer Unterricht in der Peter-Witte-GrundschuleVon HOLGER SCHLÖSSERErste Stunde, Mathematikunterricht.Jenny, eine Schülerin aus der 6.Klasse der Peter-Witte-Grundschule, sitzt vor einer Matheaufgabe ­ ihr Lehrer, Herr Okuyama, hilft ihr bei der Lösung.Keine alltägliche Situation, denn der Lehrer befindet sich derweil am anderen Ende der Welt, in Japan.Der Aufwand für das ehrgeizige "Distance-Learning-Projekt", das noch bis zum 10.November läuft, ist immens.Vier Unterrichtsstunden wird es bis dahin gegeben haben.Über eine Video-Konferenzschaltung wird die Wittenauer Grundschule mit der Yamanashie-Schule in Kofu für sechzig Minuten verbunden."Neben den erforderlichen Geräten wie Kameras, Mikrofonen, Computern muß unser Sponsor, die Firma Mitsubishi Electric, zwischen 250 und 750 DM Telefongebühren pro Unterrichtsstunde aufbringen", weiß die Schulleiterin Anneli Leukert.Dazu kommen noch die Kosten für Dolmetscher, Kameramänner und Techniker. "An dem finanziellen Aufwand wird die Verbreitung wohl scheitern", sagt Professor Klaus-Dieter Graf, Informatiker an der FU-Berlin, der das Projekt betreut.Die Schulen können sich diese Technik nicht leisten.Seine Hoffnung ist, daß sich nach Ablauf des Projekts im November dieses Jahres ein neuer Sponsor findet."In Zukunft sollten die transportablen Anlagen bei der Landesbildstelle ausgeliehen werden können." Um die Kosten zu reduzieren, könnte man die Bilder via Internet übertragen.Noch sei aber das Netz technisch dafür nicht geeignet.In einem sind sich die Verantwortlichen einig: die Motivation der Schüler ist enorm.Und nebenbei ist dies eine Chance des Austausches zwischen verschiedenen Kulturen.Angesichts der zunehmenden Globalisierung der Gesellschaft eine wichtige Erfahrung, meint Graf."Wir hoffen, daß der Kontakt auch nach diesem Projekt bleibt", sagt Anneli Leukert und denkt dabei an das Internet.Die Grundschule verfügt dank der Initiative "Schulen ans Netz" über einen Internet-Anschluß, so daß bereits heute die Arbeiten der Kinder auf den Web-Seiten der Schule (www.b.shuttle.de/b/pewi) zu sehen sind.Zugleich ist die Schulleiterin aber auch etwas erleichtert, daß sich das Projekt dem Ende nähert."Es war zwar eine spannende Sache und eine wichtige Erfahrung, doch zugleich auch ein doppelter Zeitaufwand für uns Lehrer." Die Unterrichtsstunde ist fast vorbei.Neben Jenny sitzen noch 20 weitere Schüler in dem Klassenraum, legen die Geo-Dreiecke beiseite, mit denen sie gearbeitet haben und schauen auf den riesigen Bildschirm.Ein Schüler legt sein Arbeitsblatt auf einen Projektor, mit dessen Hilfe Okuyama die Lösungen überprüfen kann."Ich habe das Gefühl, daß ich in Berlin im Klassenraum stehe", sagt Okuyama.Auch Jenny meldet sich nochmals zu Wort: "Ich möchte noch sagen, daß mir der Unterricht viel Spaß gemacht hat."

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