Zeitung Heute : Schulbuchverlage drängen ins Internet

KURT SAGATZ

Verträge für "Bildung Online" unterzeichnetVON KURT SAGATZ

Deutschlands Schulen drängen mit Macht auf den Info-Highway.Ob nun aus eigener Kraft oder mit Hilfe von Aktionen wie "Schulen ans Netz" und "Computer in die Schulen" sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um den Schülern den Übergang in die Informationsgesellschaft zu ermöglichen.Damit Schulen, Lehrer und Schüler neben dem Zugang zu PC und Internet auch noch ein Ziel haben, wollen die Marktführer in den Reihen der Schulbuchverlage möglichst rasch ein entsprechendes Angebot im Netz etablieren."Bildung Online" lautet der Name der gemeinsamen Anstrengungen der Verlage Cornelsen, Klett, Schroedel und Westermann, die Internet-Adresse wird http://www.b-o.de heißen.Der entsprechende Vertrag über die Schaffung einer gemeinsamen Gesellschaft, die das Angebot koordinieren soll, ist unter Dach und Fach. Daß hinter dem Vorhaben ein nicht zu unterschätzender Markt liegt, zeigen einige Zahlen.In den über 30.000 Schulen des Landes unterrichten 700.000 Lehrer.Diese an sich schon gewaltige Größenordnung erhält zusätzliches Gewicht durch die Tatsache, daß davon über 35 Prozent zu Hause über einen PC verfügen.Zum Vergleich: im Bundesdurchschnitt verfügt nur jeder vierte Haushalt über einen Rechner.Doch nicht nur auf Seite der Ausbildenden gibt es genügend potentielle Nutzer von Bildung Online.Den Lehrern stehen schließlich 12 Millionen Schüler gegenüber, die ebenfalls von Bildung Online profitieren können. Eines der wichtigsten Dinge beim Aufbau des kommerziellen Bildungs-Netzes ist allerdings, daß beide Gruppen virtuell nicht zusammenkommen dürfen.Zwischen den Bereichen für Lehrer und Schüler müssen unüberwindbare elektronische Mauern aufgebaut werden.Man stelle sich nur vor, was passiert, wenn gewiefte Computerkids prüfungsrelevante Unterlagen aus den entsprechenden Lehrerforen abgreifen könnten. Wie auch in den übrigen Bereichen des Internets haben auch bei Bildung Online die Verlage keinerlei Probleme, genügend Inhalte für das Netzangebot bereitzustellen.Das Internet kommt dabei den Anforderungen eines modernen Schulunterrichtes sogar entgegen, denn auch Schüler sind durch die Allgegenwart der Medien in ihrer Informationsaufnahme verwöhnt.Über das Netz können die Verlage den Lehrern nun aktuelleres Material zur Verfügung stellen.Hinzu kommt, daß Software auch in Schulen eine zunehmende Bedeutung erhält.Am bisherigen Umsatz von Cornelsen macht Software derzeit beipielsweise nur einen Anteil von fünf Prozent aus, doch die Tendenz weist eindeutig nach oben.Auch hier könnten somit die Vorteile der Vernetzung genutzt werden.Das dies nicht zum Nulltarif zu haben sein wird, wird niemand verwundern.Das Angebot des Dienstes wird daher in einen allgemeinen und einen kostenpflichtigen Teil gegliedert. Bevor die Verträge unterzeichnet werden konnte, mußten auch das Kartellamt zu dieser Kooperation der führenden Schulbuchverlage zustimmen.Daß die Wettbewerbshüter dies tagen, hat sicherlich auch damit zu tun, daß Bildung Online kein geschlossener Club ist.Während die Verlage in Bildung Online für die Inhalte verantworlich sein werden, soll die Technik von einem noch zu findenden Partner abgewickelt werden.Infrage kommen dabei verschiedene Unternehmungen wie zum Beispiel die Telekom AG oder Konkurrent Vebacom.Aber auch mit IBM werden Gespräche geführt. Der offizielle Starttermin für Bildung Online steht wie die Wahl des geeigneten Partners noch nicht endgültig fest.Der Probebetrieb soll noch in diesem Jahr starten.

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