Zeitung Heute : Schuld an der Niederlage ist immer der Rasen

Nicht jede Grassorte eignet sich für einen Fußballplatz oder für den Kanzlergarten

Sybille Nitsche

Weich wie ein Perserteppich und trotzdem robust, saftig grün und dicht im Bewuchs: Diese Anforderungen muss der Rasen für die Fußballweltmeisterschaft 2006 erfüllen. Festgelegt wurde dies vom Weltfußballverband Fifa. Ein Rasenkompetenzteam soll dafür sorgen, dass die Fußballer in den zwölf WM-Stadien auf weichen, grünen Matten spielen können. Welche Sorten für einen Fußballrasen taugen, das wird an der TU Berlin geprüft.

Im Auftrag des Bundessortenamtes prüft der Ingenieurbiologe Norbert Kühn auf dem TU-Versuchsgelände an der Lentzeallee in Berlin-Dahlem noch nicht zugelassene Rasensorten auf ihre Eignung. „Allerdings nicht nur für den Fußballplatz, sondern auch für den heimischen Garten, für eine Rekultivierung in der Landschaft, für die Liegewiese im Park, zur Repräsentation im Kanzlergarten oder auf dem Golfplatz“, so Kühn. Wer eine neue Sorte auf den Markt bringen will, kommt um diesen Eignungstest nicht herum. Erst wenn das Plazet des Amtes da ist und die neue Sorte für den angegebenen Zweck patentiert wurde, kann sie verkauft werden.

Derzeit untersucht Norbert Kühn 198 Sorten. Er führt genau Buch – über Keimfähigkeit, Verunkrautung, Narbendichte, Farbe und Krankheiten. Beim Zierrasen beispielsweise kommt es vor allem auf die Optik an. Gleichmäßig und sattgrün sollte er sein. Belastungen dagegen ist er nicht gewachsen. Bei Golf- und Fußballplätzen dagegen spielt beides eine Rolle. Das Wurzelgeflecht muss fest sein, damit bei einem Fehlschlag nicht ein Erdbatzen durch die Luft fliegt oder nach einem Fußballspiel der Rasen nicht einem umgepflügten Feld gleicht. „Um die Belastbarkeit einer Sorte zu prüfen, wird der Rasen mit einer Walze malträtiert, auf der unterschiedlich lange Metallstollen angebracht sind“, erzählt Kühn. Dann schauen wir, wie schnell er sich von diesen Blessuren erholt.“ Sieht ein Rasen wie ein Flickenteppich aus, ist er mit anderen Gräsern verunreinigt. Für Kühn ein untrügliches Zeichen, dass die Sorte eine zu geringe Keimfähigkeit hat, das heißt nicht schnell und dicht genug aufgeht, so dass sich andere Gräser einnisten konnten. Als Golf- oder Fußballrasen wäre eine solche Sorte ungeeignet.

Denn vom Rasen hängt viel ab. Nicht nur die Gesundheit der Spieler und die Qualität des Spiels, nein, zuweilen auch der Ausgang des Matches, wie Detlef Reichenbacher weiß, technischer Leiter des Berliner Olympiastadions. „Wenn Hertha mal wieder verloren hat, na, was glauben Sie, woran es dann nach Meinung der Spieler gelegen hat - natürlich auch am Rasen“, lacht er.

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