Zeitung Heute : Schulden bei der eigenen Universität

Privatunis gehen neue Wege bei den Gebühren

Alexander Heinrich

An einem Tag der offenen Tür kam Manuel Dolderer eher zufällig an die Universität Witten Herdecke. Geblieben ist er wegen der sehr guten Studienbedingungen und der Nähe zu den Professoren. Anonymität ist an Deutschlands ältester Privatuniversität ein Fremdwort. Von dem Studium in Witten ist der 32-Jährige begeistert. Und das, obwohl Dolderer in den nächsten Jahren insgesamt 30 000 Euro an die Universität zurückzahlen muss.

An der größten Privatuniversität Deutschlands zahlen die Studenten Studiengebühren nämlich erst dann, wenn sie nach dem Studium einen Job gefunden haben und entsprechend verdienen. „Umgekehrter Generationenvertrag“ heißt das in Witten. Die Beiträge bemessen sich nicht am Kostenaufwand der Ausbildung, sondern orientieren sich an den zukünftigen Verdienstmöglichkeiten. So zahlen die Studenten des Studiengangs Medizin insgesamt 20 000 Euro, Studenten der Buchwissenschaft BWL hingegen 30 000 Euro, weil der Verdienst in der Regel höher ausfällt. Die Universität vergibt allerdings keine Vollzeitstipendien. „Dazu ist der Jahresetat von 28,5 Millionen Euro schlicht zu klein“, sagt Universitätssprecher Bernd Frye. Mit sieben Prozent bilden die Beiträge der rund 1100 Studenten ohnehin nur einen kleinen Anteil am Gesamthaushalt. Ein Drittel des Budgets bekommt die Universität von privaten Spendern und Zuwendungen, dazu kommen noch Fördergelder des Landes NRW und Drittmittel für Forschungsprojekte.

An der zweitgrößten Privatuniversität hat man einen anderen Weg der Finanzierung gewählt. Die rund 1000 Studenten der „International University of Bremen“ (IUB) zahlen die Gebühren bereits während des Studiums und nicht erst danach. „Für jeden Studenten erstellen wir einen individuellen Finanzierungsplan“, sagt Pressesprecher Peter Wiegand. Ein kleiner Teil der Studenten zahlt so den vollen Beitrag zwischen 20 000 und 30 000 Euro pro Studienjahr, der Großteil wird allerdings durch ein System von Stipendien von privaten Spendern, Stiftungen und Firmen unterstützt. Erst vor kurzem erhielt die IUB von der Jacobs Foundation eine Großspende über 200 Millionen Euro – Geld, das langfristig als Kapitalstock dienen soll. Das Netz aus Stiftungen und Stipendien soll sicherstellen, dass keiner aus finanziellen Gründen vom Studium abgehalten wird.

Obwohl Manuel Dolderer kein Stipendium erhalten hat, bereiten ihm die 30 000 Euro Schulden bei seiner Universität keine Kopfzerbrechen. Schon während des Studiums hat er sich mit einer eigenen Beratungsfirma selbständig gemacht. Inzwischen hat er fünf Angestellte, die Auftragsbücher sind voll. Das kostspielige Studium scheint sich gelohnt zu haben.

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